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Blatt 2

Geschichte der elektronischen Musik- Musikbeispiele aus dem Jahr 2000

zur Charakterisierung der aktuellen Situation werden 7 Musikbeispiele vorgespielt, die alle aus dem Jahr 2000 stammen. Die Beispiele zeigen sämtliche "Verfahren" und "Probleme" der elektronischen Musik des vergangenen Jahrhunderts, vor allem bieten sie unterschiedliche Lösungen des Problems, wie der Mensch "in die Elektronik einbezogen" werden kann. Die Hörbeispiele wurden kommentarlos vorgespielt, die StudentInnen konnten bei der anschließenden Diskussion sich Notizen in das Raster von Arbeitsblatt 2 machen (einige Stichworte sind hier grün eingetragen). Die Stichworte weiter unten sind meine Zusammenfassung des Ganzen.

Beispiel Technische und musikalische Charakteristika Zielgruppe
Abschlußkundgebung der Love Parade 2000 (18:10 Uhr) Sehr extravagantes Klangfarbenspiel bei durchgehendem Groove, erstaunlicher Umgang mit Klangeffekten ohne jegliche Melodie und Harmonie. Vorproduzierte Live-Performance (Platten wurden vom DJ selbst produziert und dann ad hoc verwendet. Dauer: 20 min.) Raverinnen und Raver (ekstatischer stundenlanger Tanz)
Kraftwerk: Expo 2000 Im Studio elektronisch aufgemotzter Titel. Elektronik dient nur der Klangperfektion einer "trivialen" Musik. EXPO-Publikum, d.h. klischeehafte Fortschritts-Ideologie bei regredierter Ästhetik
Cort Lippe: Music focr Hihat and Computer (ICMC 2000) Klangmaterial ist eine Hihat, die durch den Computer gejagt wird, Live-Performance auf der ICMC in Berlin. Viel Ruhe und Klangsensibilität. Avantgarde-Publikum, Interesse an Technik, weniger an Musik
Philip Brownlee: Mists and Voices (ICMC 2000) Dokumentarische Klangcollage, Nähe Soundscape, Radio-Kunst. Die Psychostruktur einer Person (Neuseeländerin) wird elektronisch nachempfunden. Tonbandmusik. Nachdenkliches, aber wohl sehr gebildetes Publikum ("Hörspielpublikum")
Jan Peter Sonntag: Between the Days Als "psychopathisch" empfundes Stück, das mit akustischem Abfall arbeitet (Kratzen, Übersteuern, Knacksen etc.), "Underground". Live-Elektronik (Scratchen etc.) mit 2 Instrumenten im Avantgardestil. Elitäres Insider-Szene-Underground Publikum.
Das E.I.S.Demo 2000 Alle Klänge wurden von einem Streichorchester produziert: Nachahmung der elektronisch erschlossenen Klangwelt durch ein traditionelles Instrumentarium. Studioaufnahme mit Einsatz von "Mikrofonnähe". Szene-Publikum, viel Spaß dabei, leicht esoterischer Einschlag.
TechnoMuseum Oldenburg 2000 Gruppenimprovisation mit Analogsynthesizern, die digital vernetzt sind. Konzept von Live-Techno-Orchester. Viel Lärm bei durchgehendem Groove (siehe Love-Parade). Studentisches und Szenen-Publikum, zwischen Zuhören und Tanzen und Mitmachen.

Durchgehendes Merkmal ist „Elektronik knüpft an..."

„Steigerung des Klanges" ausgehend von Bekanntem,
  • Verwendung bekannter „akustischer" Instrumente: Instrumente „musizieren" mit Elektronik,
  • Verfremdung bekannter „akustischer" Instrumente,
  • herkömmliche Kompositionen werden (auf der Sound-Ebene) „modernisiert",
  • mit bekannten Klängen wird spielerisch umgegangen (Collage, Sampling),
  • bekannte (akustische) Instrumente ahmen Elektronik nach,
  • die menschliche Stimme wird als Identifikationsobjekt integriert,
  • rein elektronischer Klang wird „wie ein Instrument" von einem Menschen gespielt (interaktive Musik oder improvisierte Musik).