"Mira" und die Stimmung des Bremer Gamelan
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"Mira" eine Komposition für das Bremer Gamelan und gestimmte Synthesizer

  

Uli Götte

Der Komponist und Leiter des minimal music-Orchesters "In Process" Ulrich Götte (Abbildung) hat 1995 die Komposition "Mira" für das Bremer Gamelan und drei gestimmte Synthesizer komponiert. Die Komposition wird von Oldenburger und Bremer Musikerinnen und Musikern am 21.11.1997 in Kassel uraufgeführt, eine Vor-Aufführung findet am 9.10.1997 um 11 Uhr im Bremer Überseemuseum statt.

 Zu dieser Komposition angeregt wurde Ulrich Götte durch Wolfgang Martin Stroh, der die These vertrat, daß es einen musikalisch qualitativen Unterschied macht, ob Gamelaninstrumente mit zwölftönig-temperierten Synthesizern und anderen westlichen Instrumenten zusammenspielen oder ob die Synthesizer "richtig" gestimmt sind. Alle bislang bekannten Musikstücke, bei denen interkulturell mit Gamelan und westlichen Instrumenten gespielt wird (z.B. auf den CD’s von Eberhard Schöner oder MegaDrums von Reinhard Flatischler), begnügen sich mit dem Nebeneinander der beiden Stimmungssysteme. Und das Institut zur Pflege der Javanischen Kultur in Yogyakarta (LSJ) hat in seinem Bulletin Palupi Jawi 1/1997 resigniert festgestellt, daß die Beliebtheit derart interkultureller Fusionen bei den Javanerinnen und Javanern wohl dazu zwingen würde, in Zukunft auch zwölftönig-temperierte Gamelans zu bauen...

 Wer den tranceinduzierenden und "schwirrenden" Gesamtklang eines Gamelanorchesters hört, hat leicht den Eindruck, daß diese Wirkung von der Klangfarbe der Instrumente herrührt. Diese Klangfarbe jedoch ist untrennbar mit der (Tonhöhen-)Stimmung der Instrumente verbunden. Es ist bislang nicht möglich (und vielleicht auch nicht nötig) gewesen, genauer zu untersuchen, welchen Beitrag zu solcherart Wirkung die Klangfarbe und die Stimmung leistet. Versuche mit dem Abspielen von Gamelanstücken auf zwölftönig-temperierten und "richtig" gestimmten Synthesizern an der Universität Oldenburg haben allerdings gezeigt, daß sich die Wirkung der Musik qualitativ verändert, wenn zwischen den beiden Stimmungsarten bei ansonsten gleichbleibenden Klangfarben gewechselt wird, ohne daß die Hörenden sagen oder feststellen können, was da nun eigentlich passiert sei.

 Mira-Projekt

"Mira" ist ein Versuch, den letztgenannten Fragestellungen außerhalb einer Laborsituation, d.h. "im wirklichen Leben", nachzugehen. Die Ergebnisse, gemessen in allgemeiner Resonanz bei den Mitwirkenden, beim Publikum und eventuell anhand einer Tonträgereinspielung, sind einerseits ungenauer als die Ergebnisse der Laborversuche, andererseits aber wirklicher. Sie stellen einen Typ interkultureller Musik dar, der auf dem Hintergrund aktueller Weltmusik-Konzeptionen überprüft wird. Es kommt freilich nicht von ungefähr, daß Ulrich Götte als einer der profiliertesten minimal music-Komponisten in Deutschland, sich stilistisch an Musik anlehnt, die einen traditionellen interkulturellen Bezug zur Gamelanmusik hat.

 Sie können sich von "Mira" und den Hypothesen bzw. Fragestellungen des künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsvorhabens einen ersten Eindruck dadurch machen, daß Sie einen Ausschnitte aus "Mira" als Midifile laden und auf Ihrer Soundcard abspielen (Lade MIRA-EX.MID!). Allerdings erklingen die Instrumente hier zwölftönig-temperiert. Einen kurzen Eindruck vom "richtigen" Sound der Komposition gewinnen Sie, wenn Sie die AU-Datei MIRA (.AU(stereo, 11kHz, 8bit, 176kB), .AU(stereo, 22kHz, 8bit, 353kB)) laden und abspielen. Es handelt sich hier um einen Probenmitschnitt der beiden Takte 355 und 356:

 Notenbeispiel (GIF, 17 kB)


"Mira" und die Stimmung des Bremer Gamelan
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