zur Indexseite Musiktheaterpädagogik S 2003/04

 Blatt 10

Modelle, Studiengänge, Konzepte in Niedersachsen

1. „Bewegte Schule"

Projekt des Kultusministeriums Niedersachsen (Evaluationsphase 15.11.2001-31.12.2003).

 

2. Polyästhetische Erziehung

Stichworte zum Konzept:

Vorbilder sind antikes Drama, Dramen anderer Kulturen (Japan, China, Indien, Indonesien) in einer Aneignungsweise wie sie Orff praktizierte, klassisches Drama, Nähe Anthroposophie (Eurhythmie), „Spielkonzepte" mit Musikfragmenten (u.a. „Oratorienimprovisation"), Theorie der „Klangszenenimprovisation" und Vokalimprovisation, Lautspiele (Morgenstern, Jandl, Schwitters), Improvisationstheater, Licht- und Schatten- und Farbenarbeit (Schattenspiele, Synästhesie, „luminodynamische Kommunikationsspiele", Blauer Reiter, Bauhaus). Begriffe: „Produktionsdidaktik" (1976), „Integrative Musikerziehung". Nähe zu „Klanginstallationen".

Personen:

Wolfgang Roscher: Hildesheim, ab 1983 Salzburg (Mozarteum), 2002 gestorben. - Rudolf Nykrin: 1973-78 Laborschule Bielefeld (Hartmut von Hentig), „erfahrungserschließende Musikerziehung" (Dissertation 1978), dann nach Salzburg (Orff-Institut), Publikationsreihen im Klettverlag (Schriftenreihe „Vorhang auf für Musik und Spiel"), Schulbuch-Konzept „Spielpläne". - Weitere Namen: Claus Thomas, Hans-Jürgen Feurich, Michaela Schwarzbauer .

Auswirkungen:

„Multimedia" in PVVO Niedersachsen. Hildesheim: „Darstellendes Spiel" und „Kulturpädagogik".

Klangszenenmodell-Katalog des Salözbuerger Instituts:

Orpheus, Die Vögel, Faustus, Mysterienspiele des MA’s, Fabel- und Moralitätsspiele, Totentanzspiele, Bibelspiele und Oratorienimprovisation, Gauklerspiele, Orientalische Märchenspiele, Stücke nach Nelly Sachs, Peter Handke, Georg Trakl, Textmontagen (z.B. Blaubart).

Kontakt:

Internationale Gesellschaft für Polyästhetische Erziehung
Prof. OStR Mag. Gerhard Hofbauer, Präsident
c/o Universität Mozarteum
Mirabellplatz 1
5020 Salzburg / Austria
Tel. +43 664 9149500
office@igpe.eu
www.igpe.eu  / www.polyaesthetik.eu

 

3. Darstellendes Spiel als Schulfach (in Niedersachsen)

Einführung 1997 als drittes Oberstufenschulfach neben Musik und Kunst. Derzeit in Profiloberstufe obligatorisch für die Bildung eines künstlerischen Profilsschwerpunktes.

Lehrerausbildung: seit WS 200/01 in dem einzigen Studiengang in Hannover/Braunschweig/ Hildesheim – an vier Hochschulen! – möglich. Zuvor war nur Weiterbildung möglich (Zusatzqualifikation) an der FH Lingen oder im NLI.

Generell hat man sich in der BRD auf drei Säulen im Darstellenden Spiel geeinigt:
(1) Theaterwissenschaft (Theorie, Geschichte),
(2) Theaterpädagogik (Szenisches und Darstellendes Spiel),
(3) Spielpraxis und Spielleiterausbildung (in Projekten mit Aufführungen).

Prototypischer Ausbildungsplan (Oldenburger Projektantrag):

A. Theaterwissenschaft

B. Theaterpädagogik
und Szenisches Spiel

C. Spiel- und Spielleiterpraxis

Theatergeschichte

  • Sprechtheater
  • Musiktheater
  • Szenische Formen der Popularmusik
  • Medieninszenierungen

Theaterpädagogik

  • Konzepte und Modelle
  • Praxisfelder
  • Didaktische Theorie
  • Geschlechterforschung

Spielpraxis

  • Bühnenpräsentation
  • Mitwirkung an Aufführungsprojekten

Theatertheorie

  • Dramenanalyse und –theorie
  • Inszenierungsanalyse
  • Medieninszenierungen
  • Aufführungspraxis

Szenisches Spiel

  • Theorie des szenischen Spiels
  • Modelle des szenischen Spiels
  • Entwicklung von Konzepten

Spielleiterpraxis

  • Inszenierung
  • Spielleitung
  • Projektentwicklung

4. Szenisches Spiel und szenische Interpretation

Szenisches Spiel nach Ingo Scheller:

Erfahrungsorientierte Methode im Musikunterricht von Wolfgang Martin Stroh (Schwerpunkte Interkulturelle Musikerziehung und Lieddidaktik).

Szenische Interpretation:

Anwendung der Methoden des szenischen Spiels auf Musiktheater, Lieder, („absolute") Musikstücke. Das Oldenburger Konzept gilt derzeit als das „erfolgreichste Konzept von Operndidaktik" an der allgemeinbildenden Schule. Methodenkatalog (Lugert-Verlag 2001) enthält alle aktuellen Methoden.

Anwendungsbereiche:

(1) Musikunterricht (ohne das Ziel einer öffentlichen Vorführung),
(2) PR von Opernhäusern („Opernpädagogik") als Vorbereitung eines Opernbesuchs,
(3) Bestandteil der Probenarbeit (hier ist es eher das szenische Spiel als die szenische Interpretation): siehe „Ronja Räubertochter", Junge Oper Stuttgart,
(4) als Sozialarbeit, wobei die Inhalte „herbeigeholt" werden, um gewisse Themen „besprechen" zu können – z.B. Aussiedler-Integration, DDR-Vergangenheit, Gewalt in der Familie, Haltungen von HochschullehrerInnen, Antisemitismus.

 

5. Landesarbeitsgemeinschaft Theaterpädagogik

Freie Theaterarbeit, zum Beispiel Sozial- und Spielpädagogik. Die AG ist um ein fest gelegtes Berufsbild bemüht sowie einen Schutz der Bezeichnung „Theaterpädagoge". Es wurde ein fester Ausbildungsverlauf entwickelt, den diverse Institutionen sowie die AG selbst anbieten.

Die Bestrebungen, die Theaterpädagogik als „Studium" für das Schulfach Darstellendes Spiel umzuwidmen, sind im wesentlichen nicht gelungen.