zur Indexseite Musiktheaterpädagogik S 2003/04

Blatt 16

"STOMP"

Von Wiebke Wiebersiek, Michaela Glindkamp, Susanne Fenselau, Eva-Maria Meyer, Oliver Hartmann, Florian Petry, Helge Adler, Florian Petry

Was ist STOMP?

"STOMP ist eine Theater- Show ohne Worte und Gesang, die Rhythmus, Musik, Tanz und Performance vereinigt. Die Ausgangsidee besteht darin, nur Alltagsgegenstände zu benutzen.", wie z.B. Besen, Tonnen, Eimer, Schlüssel, Stühle, Besteck, Geschirr, Streichhölzer, Tüten, Aschenbecher, Mülltonnen, Bälle ...

"Rawumm macht die Tonne, wischwusch der Besen und klickediklock trampeln die Schuhe. Man ist platt. Kein Denken, kein Grübeln, nicht mal Herzgefühle werden verlangt, nur das mauloffene Staunen von uns Kindern über nichts als ein Geräusch- Kung- Fu. Wunderbar. Give´em a clap"(Die Zeit).

Warum STOMP in der Hauptschule?

Ein wichtiger Aspekt des Musikunterrichts, ob in der Hauptschule oder in anderen Schulformen, ist es, den SchülerInnen die Möglichkeit zu geben, selbst zu musizieren: selbst auszuprobieren, wie es sich anfühlt, Musik zu machen. Aber gerade dieser Anspruch stellt MusiklehrerInnen – vor allem in der HS – vor einige zu überwindende Schwierigkeiten: nur die wenigsten SchülerInnen haben musikalische Vorkenntnisse, auf denen eine "Klassenmusik" aufgebaut werden könnte. Eine eigene, neue Art des "voraussetzungslosen" Musizierens und einen neuen Reiz zum Nachspielen bietet STOMP. Dadurch, dass auf Alltagsgegenständen Musik gemacht wird, ist die Beschaffung des Instrumentariums ohne großen organisatorischen und finanziellen Aufwand möglich.

Zeitlicher Verlauf des Projekts

April 2001: Vorbereitung und Erprobung von Ball-, Tonnen-, Besen-, Zeitungs- und Kartensequenzen im Seminar, Juli: Vorbereitung und Aufführung einer eigenen kurzen STOMP-Show, August: Gemeinsamer Konzertbesuch: STOMP live in Bremen, Oktober: Umsetzung in der Schule: zum Kennenlernen von STOMP werden einige Sequenzen praktisch durchgeführt und Ausschnitte aus dem STOMP-Video gezeigt, Dezember: Konkrete Planung eines Showablaufs und Beschaffung von Requisiten, Einteilung in Gruppen, in denen die einzelnen Showelemente geprobt werden, März 2002: Aufführung

Die Schule

Die Hauptschule Bad Zwischenahn ist eine sehr junge Schule und besteht in ihrer Form erst seit eineinhalb Jahren. Die Schülerschaft ist sehr heterogen.

Überwiegend werden an der Schule Jungen unterrichtet. In den 7. und 8. Klassen lässt sich das Verhältnis in 25% Mädchen und 75% Jungen aufteilen. In der Klasse 9 finden wir ein Verhältnis von 40% Mädchen und 60% Jungen. In den wesentlich kleineren 10. Klassen besteht ein relatives Gleichgewicht.

Das Kollegium der Hauptschule besteht aus 15 Lehrerinnen und Lehrern, wobei nur eine Lehrerin den Musikunterricht versorgt. Für die 7. Klassen gibt es kein Angebot an Musik. In den übrigen Jahrgängen kann man Musik als Wahlpflichtkurs wählen. Materialien und Medien sind für den Musikunterricht ausreichend vorhanden.

Besensequenz:

Die Besensequenz der amerikanischen STOMP-Show ist eine der bekanntesten Elemente der STOMP-Show, wobei ein Grund für die Faszination darin liegen kann, eine völlig "uncoole" Tätigkeit, nämlich das Fegen, mit "coolen Beats" zu kombinieren.

Instrumente: pro Person ein Besen mit langen stabilen Borsten, die Besen sollten mit Extraschrauben verstärkt werden, da sie ansonsten sehr schnell zerbrechen. Für die Aufführung wurden Blaumänner oder weite alte Kleidung angezogen.

Zu Beginn gab es Probleme beim Finden von geeigneten Räumlichkeiten, da die Besenkanten hart und recht laut sind. Ein PVC- Boden oder aber auch der Schulhof kann genutzt werden. Die Schüler brauchen ein ungestörtes Umfeld in dem sie sich unbeobachtet fühlen vom Rest der Schule, um konzentriert zu arbeiten. Die Schüler fanden das Üben zu Beginn albern und konnten nur mühsam eine thematische Verbindung zum Musikunterricht schaffen. Die Frage, die sich bei den Schülern einstellte, ist, ob das Musik sein soll. Die Besensequenz wurde erarbeitet, ohne dass Notenmaterial an die Schüler verteilt wurde. Wesentliche Methode war das Vormachen und Nachmachen. Es sollten in der Arbeitsphase auch Entspannungsphasen integriert werden, in denen die Schüler ungezwungen mit den Besen umgehen können, wie z.B. den Besen auf der Hand balancieren und über den Schulhof laufen. Insgesamt hat es sich als sehr sinnvoll erwiesen, die Ideen der Schüler mit in den Ablauf der Sequenz mit einzubeziehen.

Fragebogenaktion

Nach der STOMP-Show ein Fragebogen ausgeteilt, der von den Schülerinnen und Schülern ausgefüllt werden sollte. Es sollte untersucht werden, wie das Projekt bei den Schülern angekommen ist. Eine weitere Frage war, welche Vorstellungen die Schüler abschließend zu dem Begriff STOMP haben.

 

Fast 50% der Schüler beurteilten das Projekt mit gut und nur drei Schülerinnen und Schüler das Projekt mit ausreichend. Auffällig ist, dass es keine schlechtere Benotung als eine Vier gab. Diese insgesamt gute Beurteilung des Projekts war nicht unbedingt zu erwarten, da zu Beginn und in einigen weiteren Phasen des Projekts die Schülerinnen und Schüler keine hohe Motivation und Bereitschaft mitbrachten. STOMP wird von den Schülerinnen und Schülern als eine Theater- Show bezeichnet, die aus Rhythmus, Musik, Tanz und Performance besteht.

Zitate: "Eine Musikshow, die viel Zeit und Arbeit beansprucht." "Im Takt Krach machen." "Die Musik macht Spaß". Negativ: "Nichts, nur rumtrommeln", oder "Nichts besonderes".

 

Ablaufplan

 

Szene

Kurs

Requisite/Kostüme

0) Wecker tickt, (über Band?), rhythmisches Schnarchen, Klingeln,

Stimme aus dem Off: "Aufstehen!"

 

Uhr

1) Frühstück: Spieler kommen verschlafen auf die Bühne, decken den Tisch etc.

am Ende Licht aus, Umbau

9

1 Tisch, 4 Stühle, Frühstücksgedecke, Toaster

2) Schulweg: Spieler kommen mit Bällen durchs Publikum und machen eine Show auf der Bühne (Schulhof), Schulklingeln

8

8 Bälle, Schultaschen, bzw. Rucksäcke

3) Hausmeister: fegen den Hof, meckern dabei über die Schüler,

Licht aus, Umbau

8

Besen, Overalls

4) Klassenzimmer: Lehrerin verläßt die Klasse, Rhythmussession wird durch Pfiff des "Schmiere-Stehers" oder durch Pausenzeichen beendet.

9

4 Tische, Tafel, Lineale, Stifte

5) Pause: eine Gruppe von Kartenspielern kommt in die Klasse, Licht aus, Bühne frei räumen

8

Spielkarten, Becher

6) nach der Schule: Bälle

9

8 Bälle, Schultaschen, bzw. Rucksäcke

7) Bodypercussion: Ballspieler stehen im Hintergrund und geben Beat, im weiteren Verlauf auch "call + response" mit Publikum

9

 

8) Bushaltestelle: Arbeiter lesen Zeitung auf dem Nachhauseweg, Zeitungen fliegen irgendwann auf den Boden

8

Papierkörbe Erwachsenenkleidung, evtl. auch ein Anzug etc.

9) Besen: Arbeiter fegen den Dreck weg, Stimme aus dem Off: "Alles klar?",

Licht aus, Umbau

9

 

10) Abendessen: Tisch decken, Fernsehapparat ein- und ausschalten, Abwasch, Session mit Haushaltsgeräten etc., Licht aus, Umbau

9

Spüle

11) Schrottplatz: Gestalten kommen aus dem Dunkel mit Taschenlampen

alle

Taschenlampen, Tonnen, Eimer, div. Autoteile, Rohre etc., 2 Tonnen vor der Bühne