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  Interkulturelle Musikerziehung: Lateinamerika (2002)

Ein Wandbild aus Nicaragua

aus der Zeit der ersten Wahlen nach Sturz der Somza-Diktatur kann zwecks Diskussion zahlreicher typischer lateinamerikanischer Probleme eingesetzt werden. Die politische Entwicklung Nicaraguas nach der "Befreiung" von den Spaniern ist typisch: USA-unterstützte Militärs, Großgrundbesitzer und verfilzte Clans beherrschten mit höchster Brutalität das Land bis die sandinistische Revolution 1979 den "letzten Diaktator" Somoza aus dem Land treibt (nachdem die USA ihn wegen allzu großer Brutalität haben fallen lassen). Die darauffolgenden Jahre der sandinistischen Regierung waren gepägt von einem schlagartigen Ende aller Kriminalität, einer Gesundheits- und Bildungsreform (Analphabetismus ging von 42 auf 13% zurück) und einer "Garantie von Grundnahrung" - aber auch einem zermürbenden Bürgerkrieg der Contras gegen die sandinistische Armee und die Bevölkerung sowie einem Rückgang der "Wirtschaftsleistung" (nach Expertenmeinung bedingt durch "zu viele Reformen für die kleinen Leute" und dadurch veursacht zu geringe Produktivität). 1990 wurden die Sandinisten abgewählt, weil die USA bei einem Regierungswechsel eine Ende des Bürgerkriegs und Wirtschaftshilfe versprachen. Ersteres geschah, letzteres nicht, da die neue Regierung nich so willig war wie erwartet. Seither geht es mit Nicaragua so sehr bergab, dass das Land inzwischen das ärmste Lateinamerikas neben Haiti ist. Nach Wahlsiegen bei sämtlichen Kommunalwahlen 2000/01 unterlagen die Sandinisten Ende 2001 erneut knapp einer Koalition der bürgerlichen Parteien. Inzwischen sind die Sandinisten wieder an der Regierung. Sie sind aber eine Partei "der Alten" und Besserwisser. Der Präsident Daniel Ortega versucht seit 2013 das Projekt eines zweiten Kanals vom Atlantik zum Pazifik ("Nicaragua-Kanal") mit Hilfe chinesischer Investoren durch zu setzen, stößt jdoch auf großen Widerstand von Umweltschützern und Bauern.

Was seht Ihr auf diesem Bild - und was bedeutet das jeweils?

nicaraguaFoto: Stroh 1987

Hinweise - Sachinformation zum Bild:

Vorne im Foto sieht man den "richtigen" Gehweg, das Bild hat also natürliche Größe und ist so gemalt, dass man meint, es stelle eine wirkliche Straße und Häuserflucht dar. Die weißen Flecken vorn in der Straßenmitte sind abgeblätterte Wandfarbe, also eine "reale" Zerstörung, die sich aber wie gewollt ins Bild einfügt.

Vorne liegen tote Menschen, links laufen welche davon, rechts an der Wand steht FSLN (der Namenszug der sandinistischen Befreiungsbewegung, darüber die Sandino-Farben rot-schwarz). Rauchschwaden zeugen von einem Massaker oder einem Kampf, der soeben stattgfunden hat. Bedrohlich im Hintergrund der CIA-Helm (USA-Geheimdienst, der praktisch alle lateinamerikanischen Militärputsche logistisch und real unterstützt hat und die Militärregierungen "berät"), um ihn herum viele "GI"-Helme, die Vasallenarmee des Diktators Somoza.

Auf diesem brutalen kriegerischen und von Angst und Schrecken geprägten Chaos erhebt sich eine "reale Vision", die nach oben, gen Himmel strebt: Auf einer Handwerksleiter steigt ein Maurer nach oben, die Mauer ist sein Werk (ob es gegen die Schlange schützt?), und über ihm, fast wie eine Mauer geformt, die Umrisse des Landes Nicaragua. Drauf steht "Agrarreform". Einer der vielen Hoffnungsschimmer des Landes und der armen Bevölkerung (= Enteignung der Großgrundbesitzer, Verteilung des Landes auf die Bauern und gemeinschaftliche Bewirtschaftung in Genossenschaften). Parallel dazu rechts ein Mädchen, das eine Schulkleidung trägt und die Alphabetisierungskampagne "ABC" stützt. Neben der Enteignung der Großgrundbesitzer war die Bildungsreform das wichtigste Ziel der neuen sandinistischen Partei,  für die dasWandbild werben sollte. Schuluniform bedeutet für ein armes Land nicht nur Bildung, sondern auch staatlich bezahlte "Kleidung für alle": alle Menschen haben Anspruch auf Bildung und Kleidung... Auf dem Buchstaben A sitzt ein sandinistischer Soldat - denn ohne Waffen läßt sich die Revolution nicht verteidigen, da der Feind (CIA und später dann die "Contras", die einen zermürbenden Bürgerkrieg gegen die gewählte Regierung führten und von den USA finanziert wurden) mit aller Gewalt kämpft. Der Soldat wird als Beschützer und nicht als Feid dargestellt, weil er ein Baby im Arm hält. Die Waffe hält er siegreich in die Höhe. Auf dem Buchstaben C sitzt ein Bauer (campesino), der ein Buch hält oder in einem Buch liest. Der volksnahe Kämpfer und der gebildete Bauer sind die beiden Träger des erhofften gesellschaftlichen Fortschritts.

In der zentralen Mitte des Bildes die Wahlurne und die Aufforderung "Wähle!" Zwei Hände stecken ihren Wahlzettel ein. Die Wahlurne als Symbol zerschmettert den Kopf einer Hydra, einer bösen Schlage, die dem CIA-Helm entspringt. Diese Hydra/Schlange ist nicht ungefährlich, hat sie doch mehrere Köpfe, eine scharfe Zunge, die die Hand am Wählen hindern will. Wenn der eine Kopf zerschmettert ist, entsteht ein neuer an anderer Stelle (= Prinzip der Hydra). Die Farben der Hydra sind die von Somoza, die Sternchen weisen auf die USA.

Aufgaben
  • Recherchiere, wie die Landreform der Sandinisten ablief, wohin die Großgrundbesitzer geflohen sind, was sie in den folgenden Jahren getan haben und wie die Situation heute ist!

  • Recherchiere, wie die Alphabetisierung vonstatten ging und was nach Abwahl der Sandinisten (im Jahr 1990) passiert ist!

  • Versuche zu rekonstruieren, wie der Bürgerkrieg der "Contra" während der Zeit der sandinistischen Regierung ablief, wie er unterstützt wurde und welche parlamentarischen Auseinandersetzungen und Krisen es deshalb in Washington gab!

  • Versuche herauszufinden, warum 1990 die Sandinisten keine Mehrheit bei den Wahlen bekommen haben!

  • Versuche herauszufinden, warum es seit 1990 in Nicaragua mit Armut und Kriminalität stetig bergauf mit Gesundheits- und  Bildungswesen stetig bergab geht!

  • Beachte neben den politischen und ökonomischen Verhältnissen auch die zahlreichen Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Erdbeben, Taifune und Flutkatastrophen) und überlege, wie die Folgen dieser Katasrtophen mit den schlechten ökonomischen Bedingungen zusammenhängen!