logo.jpg (6434 Byte)Erläuterungen zu den Titeln der Collage.

1956-1990

  Thematik der Epoche Die Musikstücke Thematik konkret
1956 bis 1973 Gastarbeiterzeit Freundlicher Empfang der Gastarbeiter, augenzwinkende Ironie, "Ghettokultur" "Heimweh" (Freddy Quinn 1956) - "Komm ein bißchen mit nach Italien" (C. Valante u.a. 1956) - "Arivederci Roma" (Gerhard Wendland 1956)

"Zwei kleine Italiener" (Froböss 1962)

"Wir feiern den Millionsten Gastarbeiter" mit dem zweisitzigen Mofa (1964)

Musik aus einer Gastarbeiterkneipe in Rastatt 1972

1956: Kriegserinnerungen (Nordafrikafeldzug) -

Erotische Phatasien (Goethe!) -

Erste Urlaubsreiseerinnerungen

1963: Die Italiener sind nur aus Not hier, sie sehnen sich nach Hause. Liebevolle Ironie.

1972: Gastarbeiter leben kulturell in einem Ghetto. Arbeitslose Profimusiker bei Salamander in Kornwestheim.

1973 bis 1980 Familiennachzug Die Gastarbeiter werden zu einemk "Faktum" und beginnen sich selbstironisch zu artikulieren. Metin Türköz "Gutten Morgen Meistero..." (Mitte 70er Jahre, Köln). Ähnlich "der singende Müllmann" Abdullah Eryilmaz.

"Ali, kauf mir die Welt!" (Schlager 1976)

"Kapilari", Text Korgmazgil, Musik Tahsin Incirci (Türkischer Arbeiterchor West-Berlin 1976).

Gastarbeiter hören nicht mehr nur Heimatmusik, sondern besingen - ironisch - ihren deutschen Alltag. Entstehen des deutschen MC-Marktes.

Der deutsche Schlager nimmt sich der "transkulturellen Liebe" an.

Der weltweit einzige Türkische Arbeiterchor singt politische Lyrik: Zusammenarbeit mit deutschen Gewerkschaftschören..

1980 bis 1990 Begrenzungs-politik Die in Deutschland in 1. und 2. Generation lebenden Ausländer möchte man loswerden, sie werden zum "Problem". Frank Beier und Mesut Cobancaoglu: "Wo ist des Arbeiters Vaterland?" (1983)

Udo Lindenberg: "Sie brauchen keinen Führer" (1983)

Yarinistan: "Ali" (von Nedim Hazar, 1986)

Proletarier-Solidarität mit den Ausländern bei entstehender Arbeitslosigkeit. Zweisprachige Konzerte/LP’s von Rurpott-Liedermachern.

Antirassistische Deutsch-Rockmusik.

Erste türkische Rock- und Hip Hop-Band parodiert den Schlager "Ali". Beginn des "Türkrap".

1990-2002

  Epochenthema Die Musikstücke Thematik konkret
1990 bis 1998 Asyl, Aussiedler, Binnenmigration Nach der Wende und durch die CDU-Aussiedlerpolitik sowie den starken Asylantenstrom verschärft sich "das Problem". Die 3. Generatioon beginnt sich zu artikulieren. "Newroz". Volksmusik, Tanzmusik, Heimatmusik (vor allem bei den Kudern)

Fresh Familee: "Ahmet Gündüz" (1991)

"We Are One"-Ini und -Festival (afro-deutsche u.a. Musikgruppen, Festival 1992 "nach Rostock")

Musik-Initiatve "Cartel": "Cartel" ("Türkrap" 1996)

 

"Heimatklänge" haben für die Kurden, deren Sprache und Musik in der Türkei verboten ist, einen hohen politischen Wert.

Der selbst-ironische Ton des "singenden Müllmanns" verschärft sich inm Rapgesang.

Nach Rostock, Mölln usw. gibt es mehrere antirassistische Musikfestivals - eines auch in Oldenburg.

Cartel war ein Zusammenschluss mehrerer deutscher Türrap-Musiker mit großem Erfolg in der Türkei.

seit 1998 Einwanderungsland Zahlreiche Akzeptanz- und neue Integrationsversuche werden mit verstärkter kultureller und politischer Selbstartikulation der Ausländer konfrontiert. Initiative "Kanak attak" (Manifest 1998)

Sürpriz: "Reise nach Jerusalem" (Preis der Eurovision 2000)

Musik-Initiative "Brothers Keepers": "Adriano - Die letzte Warnung" (Afrodeutscher HipHop)

"Russendisco" (Berliner Kult 2002)

 

Das "neue Selbstbewußtsein" der Deutschtürken.

Vermarktung von Multikulti von Ralf Siegel hat keinen dauerhaften Erfolg.

In der HipHop-Battle-Kultur entstehen Musikkommunen ("soll ich meines Bruders hüter sein?").

Russische Wandermusiker feiern ihr "Loveland" mit Wolgaglocken und Leninportrait.

 

"Zwei kleine Italiener" (Cornelia Froböss, 1962)
  • Eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein,
  • doch zwei kleine Italiener möchten gern zu Hause sein.
  • Zwei kleine Italiener, die träumen von Napoli,
  • von Tina und Marina, die warten schon lang auf sie.
  • Zwei kleine Italiener, die sind so allein,
  • eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein...
"Fremde Türen" (1976)

(Türkischer Arbeiterchor Westberlin. Komponist: Tahsin Incirci, Text: H.H. Korkmazgil)

  • Der Mond geht auf, klein und blaß,
  • der Wind weht ganz leicht.
  • Höhnisch grinsen fremde Türen
  • Man wird zum Knecht..
  • Der Mond wird aufgehen, als Halbmond und prächtig.
  • Die Sonne wird aufgehen, strahlend und revolutionär.
  • Die fremden Türen werden brechen, eine nach der anderen.
  • Man wird befreit.
"Wo ist des Arbeiters Vaterland?" (1983)

(Frank Baier und Mesut Cobancaoglu)

  • ...Man schiebt ihn in die Heimat ab,
  • Man bringt ihn Kraft Gesetz auf Trapp,
  • Er ist Muskelschrott geworden!
  • Wo ist des Arbeiters Vaterland
  • Über all - da, wo er schafft
  • mit seiner Hand Und das ist diesmal hier!
  • Also, ihr Herren, nicht euer Vaterland
  • Nicht Blut, nicht Boden - oder Gott gesandt
  • Nein, diesmal sind es wir
  • Nein, diesmal sind es wir!
Sie brauchen keinen Führer (1982/83)

(Udo Lindenberg)

  • In der U-Bahn kreisen Sprüche
  • und die Sprüche sind nicht neu
  • vor 50 Jahren klang das ähnlich
  • und war im Sinn der Partei
  • Und in den Kneipen erzähl’n sie Witze
  • brutale Witze und lachen kalt
  • und sie beschließen, wer ihnen den Job klaut,
  • wird vergast oder abgeknallt
  • Auf dem Schulhof spielen die Kinder
  • Türke und Gendarm
  • und in der Klasse, getrennt nach Rasse,
  • im Geschichtsunterricht gähnen sie lahm...
  • nein, sie brauchen keinen Führer,
  • nein, sie können’s jetzt alleine,
  • nein, sie brasuchen ihn nicht mehr
  • die neuen Nazi-Schweine.
"Ali" (1986/91)
  • (Nedim Hazar/Yarimistan,Türk-Rap, Köln)
  • (O-Ton, Sample:) "Jo di Türke’ sin’ unsere beste Freind"
  • (Ruf oder Refrain:) Ali, Ali
  • (Rap:) Ich heiße Ali, sing’ Ali hier,
  • Ali da... Ali lebt in Ankara.
  • (Türkische Melodie und Zeile: "güle güle, güle".)
  • Alibaba, Alibi, Alidada, Alibi
  • Ali kauft bei Aldi
  • (O-Ton:) "Was net is’, des is’ net."

Brothers Keepers: "Adriano (Letzte Warnung)"

Kanak Attak bietet eine Plattform für Kanaken aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen, denen die Leier vom Leben zwischen zwei Stühlen zum Hals raushängt und die auch den Quatsch vom lässigen Zappen zwischen den Kulturen für windigen Pomokram halten. - Wir treten an, eine neue Haltung von Migranten aller Generationen auf die Bühne zu bringen, eigenständig, ohne Anbiederung und Konformismus. Wer glaubt, daß wir ein Potpourri aus Ghetto-HipHop und anderen Klischees zelebrieren, wird sich wundern. Wir sampeln ganz selbstverständlich verschiedene politische und kulturelle Drifts, die allesamt aus einer oppositionellen Haltung heraus operieren. Wir greifen auf einen Mix aus Theorie, Politik und künstlerischer Praxis zurück. Kanak Attak sinniert nicht über Kulturkonflikte, lamentiert nicht über fehlende Toleranz. Wir äußern uns: mit Brain, fetten Beats, Kanak-Lit, audio-visuellen Arbeiten und vielem mehr. Dieser Song gehört uns.

"Russendisco" Berlin 2002. In einer Großstadt soll alles seine Ordnung haben. Deswegen hat jeder Baum in Berlin eine Nummer. Vor dem Eingang unserer Kaufhalle ist ein spezieller Zähler in Form eines Studenten installiert, um alle, die rein und raus gehen zu registrieren Die Stadt bietet viele Möglichkeiten für systematische Forschung. Mein Kollege Helmut Höge und ich nehmen auch daran teil – unser Forschungsobjekt sind Straßenmusikanten. Seit Jahren beobachten wir sie, egal, ob sie mit oder ohne Genehmigung, bzw. mit oder ohne musikalische Ausbildung spielen. Regelmäßig ziehen wir mit einem Aufnahmegerät durch die Stadt, um danach im Labor unsere Ausbeute an Straßenmusik zu klassifizieren.