3. Komponieren mit dem MIDI-Planetarium
 

 
Nach dem Sie mit der Preset-Horoskopvertonung etwas experimentiert haben, werden Ihnen in diesem Kapitel alle Möglichkeiten erklärt, wie Sie sich von den „Preset-Einstellungen“ lösen und eine eigene Komposition erarbeiten können. Bedenken Sie dabei folgendes: die Tonhöhen und Rhythmen stehen aufgrund der Horoskopdaten, der „Planetenfrequenzen“ nach Hans Cousto’s Theorie und des Laufes der Uhr fest, ebenso natürlich die Position der Gestirne und somit die zeitliche Lage der einzelnen Obertöne. Verändern und damit komponieren können Sie also vor allem dadurch, daß Sie 

1. Gestirne ein- oder ausschalten,  
2. zwischen Tonhöhen und reinen Percussionsklängen wechseln,  
3. die einzelnen Rhythmen im Rahmen des kosmischen Gesetzes der Oktav halb- oder     doppelt  so schnell einstellen,  
4. den Grundton verändern (zum Beispiel oktavieren),  
5. unterschiedliche GM-Klangfarben für die diversen Gestirne am GM-Mischpult einstellen,  
6. unterschiedliche Percussionsinstrumente auswählen,  
7. die Lautstärkenverhältnisse am GM-Mischpult variieren,  
8. die Raumeinstellung (Panorama) variieren,  
9. die Dauer eines „Uhrzeiger-Umlaufes“ variieren und  
10.  den Startpunkt verändern,  
11. gegebenenfalls über den MIDI-Ausgang des Computers weitere midifizierte Instrumente mitspielen lassen.

 

Diese Vorstellung von „Komponieren“ ist gewiss ungewöhnlich und in gewisser Weise gewöhnungsbedürftig. Die bisherigen Konzert-Erfahrungen mit dem MIDI-Planetarium haben aber gezeigt, daß solcherart „Komponieren“ musikalisch durchaus ergiebig ist.

Alle musikalisch relevanten Einstellungen können gespeichert und bei späterem Bedarf wieder geladen werden.



 

Die beiden ersten Funktionen werden von der Hauptseite (Abb. 2) aus bedient.

1. Klänge ein- und ausschalten: Mit Mausklick in den Kästchen der Spalten „Ton“ und „Perc“ können Sie die Töne bzw. Percussionsdarstellung eines Gestirns ein- und ausschalten. Die Dichte der Musik läßt sich dadurch beeinflussen. Sie können einzelne relevante Gestirne hervorheben, eine Konjunktion oder einen Trigon musikalisch verdeutlichen, minimalistische Motivveränderung erzeugen usw.
 
 
2. Töne und Percussionsklänge eines jeden Gestirns erklingen im selben Rhythmus (d.h. genau zur selben Zeit). Es handelt sich hier um zwei Arten, denselben rhythmischen Vorgang des Kosmos darzustellen. Motive, die das Miteinander einiger Gestirne (gemäß Punkt 1) darstellen, ändern ihre musikalische Gestalt oft ganz erheblich beim Wechsel zwischen diesen beiden Darstellungsarten.
 
 
3. "Tempo": In der Preset-Einstellung erklingt jedes Gestirn in gleichmäßigen Zeitabständen. Diese Abstände werden nach dem kosmischen Gesetz der Oktav errechnet. Sie liegen zwischen 2,1 und 3,8 sec. Es ist aber auch möglich, die Zeitabstände zu halbieren oder zu verdoppeln. Das kosmische Gesetz der Oktav läßt solcherart „Rhythmusänderungen“ zu. Wird der Zeitabstand eines Gestirns größer, so ist dies Gestirn weniger „präsent“. Bei sehr kleinen Zeitabständen tritt ein Gestirn in den Vordergrund. - Sie gehen folgendermaßen vor:
 

 
 
 
   

4. "Oktavierungen": Die Grundtöne der Gestirne sind so eingestellt, daß sie der geozentrischen Sichtweise entsprechen. Sie können aber auch andere Grundfrequenzen wählen - und damit andere astrologische Sichtweisen. (Sie können auch ganz willkürliche Frequenzen eingeben.) Allerdings sollten Sie sich bewußt sein, daß jede Änderung der Grundfrequenz zu anderen Rhythmen führt und natürlich auch ein neues Kompositionssystem darstellt. - Der einzige Grundtonwechsel, der nach dem kosmischen Gesetz der Oktav möglich ist, ist die Oktavierung nach unten und oben. Die vorab eingestellten Werte sind so gewählt, daß eine durchschnittliche PC-Soundcard einigermaßen gut klingt. Bei tieferen Oktavlagen dürfte der Grundton selbst nicht mehr gut klingen bzw. gar nicht vorhanden sein. Bei höheren Oktavierungen werden die hohen Obertöne dünn oder möglicherweise gar nicht klingen. Freilich hängt die Frage der Oktavlage auch von der Klangfarbe (siehe Punkt 5) ab. Bedenken Sie, daß das MIDI-Planetarium 32 Obertöne durchläuft, was einem Gesamtumfang von 5 Oktaven entspricht.

Frequenzänderungen können über den Eintrag „Gestirne“ im Menue „Einstellungen“ vorgenommen werden (vgl. Abb. 4). Der Eintrag „Gestirne“ bietet die Möglichkeit, die Grundfrequenz explizit einzugeben (Abb. 6). Die „Oktavierungen“ entsprechen Verdoppelungen oder Halbierungen der dort vorgegebenen Werte.
 

 
 
 

5.  Klangfarben pro Gestirn: Jedem Gestirn können Sie beliebige Klangfarben (im Rahmen dessen, was die Soundcard zu bieten hat) zuordnen. Im Preset ist für alle Gestirne der GM-Klang „Vibraphon“ gewählt. Die Klangfarbenauswahl erfolgt über ein „Mischpult“ (das dem GM-Standard entspricht und Multimedia-Fans vertraut sein dürfte). Dies „Mischpult“ erreichen Sie über das Menue „Sounds“ und den Eintrag „GM-Mixer“. Am Mischpult selbst sind die Namen der Gestirne über den Reglern angebracht (Abb. 7).
 

 

Unterhalb der Regler befinden sich Kästchen, die die Namen des eingestellten Klanges zeigen. Andere Klangfarben können Sie mit der Maus dort einstellen: durch Mausklick öffnen sich GM-Standard-Klang-Listen (Abb.8). Die Klänge können bei laufendem Programm verändert werden.

 

 

6.  Die Percussionsinstrumente werden über Midi-Kanal 10 angesteuert (das ist GM-Norm). Auf der Seite, die das „Mischpult“ zeigt, können Sie die Schlagzeugklänge nach demselben Verfahren wie die übrigen Klänge einstellen (Abb. 9)

 

 

7.  Die Lautstärkenverhältnisse der einzelnen Klänge können Sie am „Mischpult“ über die virtuellen Schieberegler verändern (Abb. 10 zeigt zwei unterschiedliche Stellungen der Regler für Sonne, Mond und Merkur). Die Percussionsklänge werden am Regler 10 global eingestellt, da die Schlagzeugklänge (innerhalb der GM-Norm) nicht individuell geregelt werden können.
 
 

8. Die „Panorama-Stellung“ (= Lautstärkenverhältnisse zwischen rechtem und linkem Stereokanal) können Sie an kleinen „Drehknöpfen“ unterhalb der Mischpult-Schieberegler einstellen. (Abb. 10 zeigt einmal Sonne links/Mond Mitte/Merkur rechts, das andere Mal Sonne rechts/Mond Mitte/Merkur links.)
 

9. Die Gesamtspieldauer einer normalen Horoskopvertonung ist identisch mit einem vollen Umlauf des Uhrzeigers. Im Preset-Horoskop ist diese Dauer 60 Minuten. Sie kann aber verkürzt oder verlängert werden. Die Dauer-Einstellung erfolgt über das Menue „Einstellungen“, Untermenue „Spieldauer“ (Abb. 11):
 

 

Die Dauer wird in Minuten angegeben. „Loop“ bedeutet, daß nach Ablauf der „Spieldauer“ der Uhrzeiger weiterläuft bis das Programm über „Stop“ im Hauptfenster angehalten wird (Abb. 12):
 

 
10. Startpunkt: Der Ablauf einer Horoskopvertonung beginnt meistens beim Ascendenten und verläuft (entgegen astrologischer Praxis) im Uhrzeigersinn. Sie können den Startpunkt aber frei wählen. Die Seite "Startpunkt" erreichen Sie über das Menue „Einstellungen“. Die Angabe des Startpunktes erfolgt wie in der Astrologie üblich nach Tierkreiszeichen, Grad und Minuten (Abb. 13):

 

 
 

11. Externe Midi-Instrumente: Das Folgende setzt gewisse Grundkenntnisse von MIDI voraus. Wenn Ihre Soundcard einen MIDI-Ausgang hat, so gelangen die vom MIDI-Planetarium erzeugten MIDI-Daten entweder automatisch an diesen Ausgang oder Sie müssen den Ausgang unter „Sounds“/“MIDI-Driver" einstellen. Die MIDI-Daten der einzelnen Gestirne werden über die MIDI-Kanäle 1-9 und 11-16 gesendet, so wie es das „Mischpult“ zeigt. Wollen Sie Klänge eines externen Gerätes ansprechen, so müssen Sie dort die gewünschten Sounds auf die hier vorgegebenen Kanäle legen. Sie können aber auch die MIDI-Kanäle verändern: im Eintrag „Gestirne“ des Menues „Einstellungen“ besteht die Möglichkeit, den Gestirnen MIDI-Kanäle frei zuzuweisen (Abb. 14: Sonne erhielt 2 statt üblicherweise 1):
 

 
 

Es ist allerdings nicht möglich, zwei unterschiedlichen Gestirnen denselben MIDI-Kanal zuzuweisen. Das Programm verhindert solche Fehlzuweisungen durch eine Warnung.

Das MIDI-Planetarium sendet „Note ON“- und „Note OFF“-Befehle sowie (zu jeder Note) einen Pitchbendwert, der die Feinstimmung vornimmt. Um die korrekten Tonhöhen auf dem externen MIDI-Instrument zu erreichen, muß dort Pitch-Bend Range auf den Wert 2 (= Ganzton) eingestellt sein. Bei GM ist dies die Default-Einstellung.

Die Klangfarben der externen Geräte können Sie entweder an diesem Gerät selbst oder aber, falls dort „Program Change RCV“ eingeschaltet ist, auch durch die Program-Change-Befehle des GM-„Mischpultes“ vornehmen. Bei jeder Änderung in den Klangfarben-Kästchen des Mischpults wird ein entsprechender Program-Change Befehl gesendet.

Haben Sie einen Sampler und möchten jedem Gestirn ein individuelles Sample zuordnen, so wählen Sie hierfür am besten die MIDI-Befehle der Percussionsklänge. Die Percussions-Klänge werden als Note-ON-Befehle über MIDI-Kanal 10 auf den Tasten 36 bis 51 gesendet: Taste 36 = Gestirn 1, Taste 37 = Gestirn 2 usw. Ordnen Sie also an Ihrem Sampler Taste 36 auf MIDI-Kanal 10 das Sample für Gestirn 1 zu, Taste 37 das Sample für Gestirn 2 usw. - und Sie haben Ihren Klangvorrat individuell erweitert!
 
 
Der gesamte MIDI-Outpt des MIDI-Planetariums kann extern als Midifile aufgenommen (und weiterverwendet) werden. Benötigt wird hierzu ein zweiter Computer mit einer Midirecording-Software oder ein Hardware-Sequencer. Die MIDI-Daten für Pitchbend und Note-ON folgen so schnell hintereinander, daß Midirecordingsystem (wie beispielsweise "Cubase"), die "intelligent" sind, die Daten gelegentlich vertauschen. In "Cubase" ist es ratsam (bei "MIDI-Einstellungen") "Note-ON Priority" auf "off" und alle Delay-Zeiten auf Null zu stellen. Gelegentlich dennoch auftretende Fehler können aber unseres Wissens nicht in "Cubase" behoben werden. Hardware-Sequenzer bzw. Midifile-Recorder (beispielsweise "Soundbrush SB 55") haben keine Probleme. Desgleichen "nicht-intelligente" Midirecorder einfachster Art.
 

Möchten Sie die Obertonreihe eines Gestirns hören? 

Wählen Sie unter "Tempo" zwischen 1 und 2 sec. Wählen Sie als "Gesamtspieldauer" 2 Minuten. Schalten Sie auf der Hauptseite alle Gestirne aus außer demjenigen, das Sie hören möchten und für das Sie soeben die Extremwerte eingegeben haben. Legen Sie den Startpunkt auf die Position des Gestirns. Drücken Sie "Start". 
Nun wird die Obertonreihe des Gestirns auf- und abwärts innerhalb von 60 sec durchlaufen. Jeder Oberton wird ca. einmal gespielt. (Das "circa" rührt von den "ungeraden" Werten beim Tempo ab.) 
 

 
 


 

Entwicklung und Programmierung: 
Wolfgang Martin Stroh 
Anpassung auf PC und GM-Soundcard: 
Christian Wolf und Marcus Dromowicz 
Gesetz der kosmischen Oktave
Hans Cousto 
Vertrieb: 
Jupiter 55 GBr, Rudolf Fridum und Klaus Tamm 
Inhalt des Handbuches  

0. Vorbemerkung  
1. Die ersten Klänge  
2. Das kosmische Gesetz der Oktav  
3. Komponieren mit dem MIDI-Planetarium  
4. Technische Beschreibung des Programms