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  Interkulturelle Musikerziehung: Lateinamerika (2002)- Blatt 1

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Ziel der Stunde: Diskussion des Stellenwertes von Musikpraxis in der interkulturellen Musiklerziehung. Hinfügrung zum Schnittstellenansatz.

Praxisphase (nach "Applaus Heft 3: Von Salsa bis Samba")

  • Im Kreis "auf der Stelle im 4/4 gehen",
  • diverse einfache Rhythmen dazu klatschen,
  • Vor- und Nachklatschübungen (je ein Takt) durch SchülerInnen,
  • Vor- und Nachklatschübungen (je 2 Takte) durch LehrerIn,
  • erst einen einfachen Puls, dann einen Rhythmus im Kreis herum reichen,
  • mehrere Rhythmen (eines "Patterns" - hier Guajira) auf die Reise schicken,
  • Guajira-Rhythmen geteilt in Gruppen.

Alle Instrumente mit Körperaktion nachmachen:

  • Claves = Klatschen
  • Bongos = auf zwei unterschiedlichen Körperstellen (Bauch und Po)
  • Guiro = Hände reiben
  • Maracas = Handflächen schnell reiben
  • Cowbell = Mundrachenraum (2 Klangfarben)
  • Auch reine Lautsprache möglich.
  • Hauptregel: nie aufhören zu "gehen"!

Ist das Interkulturelle Musikerziehung (IME)?

Bedingungslos Ja: hier wird auf eine Art und Weise Musik gemacht, die in unseren kulturellen Breiten nicht verbreitet ist: mit dem Körper und doch sehr differenziert! Es findet auf diese Weise ohne große Worte eine erfahrungsbezogene Aneignung einer anderen Kultur statt, die lustvoll erlebt wird.

Bedingungslos Nein: Nichts gegen solche Musizierphasen! Sie haben ihren Wert, sollten aber nicht IME genannt werden. Solches Musizieren reproduziert die gängigen Klischees von "Latin" und täuscht über alle Probleme hinweg, die in Lateinamerika bestehen. Mehr noch: "Latin", wie wir ihn täglich erleben und durch solche Übungen auch reproduzieren, ist selbst ein Produkt der Ausbeutung Lateinamerikas durch die Musikindustrie (der USA vor allem).

Nein, unter besonderen Bedingungen aber Ja: Die positiven Elemente sind ein Einstieg, wecken Interesse. Sie müssen aber erweitert, aufgearbeitet werden auf dem Hintergrund der lateinamerikanischen Lebenswirklichkeit. Diese ist selbst widersprüchlich. So tanzen, singen und musizieren viele Latinos begeistert, obgleich es ihnen miserabel geht, die Kinder träumen von einer Karriere als Musik-Star des internationalen Show-Business.

Ist "IME am Beispiel Lateinamerikas" richtig?

Qualtitativ nein, wenn man IME vom Umfang der entsprechenden Ausländergruppe in der BRD abhängig macht. Qualitativ ja, wenn man die Gründe für die Migration in die BRD beachtet (neben "Gastarbeitern" sind es ökonomische und politische Gründe - beide treffen auf LateinamerikanerInnen zu. 3 Musikbeispiele (1973): Gastarbeiterkneipenmusik - Bolivianische Straßenmusikgruppe - Solidaritätskonzert von Quilapayun.

Ist "IME am Beispiel Lateinamerikas" wichtig?

Der "Zustand" Lateinamerikas - Stichworte: Militärdiktaturen, Schuldenkrise, Neoliberalismus, Schere Arm-Reich (z.B. Straßenkinder) - spielt sich vor dem historischen Hintergrund der Übernahme Lateinamerikas durch den Imperialismusnachdem es sich vom Kolonialismus befreit hat. In Lateinamerika waren Sozialisten+Kommunisten die Gegnern dieser Politik. Sie gelten heute nicht mehr als gefährlich. Die Region ist ökonomisch im Griff, auch wenn die Perspektiven aus der Sicht Lateinamerikas auswegslos schlecht sind. - Hingegen widersetzen sich heute Teile der arabischen Welt dieser Art von Politik. Die Mittel dieses Widerstandes können wir nicht akzeptieren (und sie dürften auch aussichtslos sein), während wir die Mittel des lateinamerikanischen Widerstandes - symbolisiert durch einen Che auf dem T-Shirt - heute eher solidarisch nachvollziehen können.