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 Interkulturelle Musikerziehung - am Beispiel Lateinamerika: Blatt 7

 

Unser "multikulturelles Konzept" interkultureller Musikerziehung im Überblick:

Ziele allgemeine multikulturelle Handlungskompetenz für ein Leben
  • in der BRD und
  • in der globalisierten Welt von morgen,


oder: Handlungskompetenz für ein Leben in der multikulturellen BRD und der globalisierten Welt der Zukunft.

spezifische Lernen, wie Musik funktioniert


  • in einer Gesellschaft ("Funktion von Musik") und
  • immanent ("Herstellungsweise von Wirkungen").
Inhalte
  • Die wirklichen Musikkulturen der Welt,
  • die wirkliche Musikkultur der BRD,
  • die Erscheinungsweisen der Musik der Welt in der BRD.
Methode "erweiterter Schnittstellenansatz" im Dreischritt:

  • zuerst sinnliche "Basiserfahrungen" als Schnittstelle,

  • sodannerfahrungsbezogene Erarbeitung exemplarischer der Funktion von Musik in den wirklichen Musikkulturen der Welt, hier erfahren die SchülerInnen das Fremde "im Schutze der Rolle" und in Rollen konkret handelnd,

  • abschließend Transfer in die BRD (Erscheinungsweise der Musik bei uns) und in die Globalisierung (Ergründen der Ursachen für diese Erscheinungsweise).

 

Realisierung dieses Konzepts bedarf einiger Voraussetzungen, die noch nicht erfüllt sind:

1 Wie sieht die multikulturelle BRD aus? Wir kennen zu wenig Fakten und können die auch noch nicht auf dem Hintergrund der soziologischen Multikulti-Diskussion in einer musikpädagogisch relevanten Weise interpretieren. Vorbildliche Ausnahme ist hier das Buch "Die Musik der imaginären Türkei" von Martin Greve, das 2003 erschienen ist.
2 Wie sehen die Musikkulturen der Welt aus? Hier hat die englisch sprachige Literatur viel Fakten gesammelt (Cultural Studies), wir haben diese aber für die deutschsprachige Musikpädagogik noch nicht hinreichend aufgearbeitet. Beispielhaft für das USA-Colleg-Curriculum ist Jeff Todd Titons "Worlds of Music". In Deutschland kann man sich im Rough Guide "Weltmusik. World Music", deutsche Übersetzung bei Metzler 2000ff. verirren oder orientieren.
3 Was ist multikulturelle Handlungskompetenz? Das uns vertraute Phänomen der "musikalischer Identität" (zentral in allen Musik-Sozialisationstheorien der 80er/90er Jahre) wird durch etwas Neues abgelöst, das wir noch nicht hinreichend kennen, auch wenn es schon oft beschrieben worden ist: die "multikulturelle Persönlichkeit". Welche Strukturmerkmale hat diese Persönlichkeit, was ist gut und schlecht daran? Ich verweise auf meinen Vortrag beim AMPF 1999 (= Musikpädagogische Forschung 21).
4 Wie sehen "Basiserfahrungen" aus? Die als "Schnittstellen" geeigneten Basiserfahrungen liegen "tiefer" als die kulturell vorgeformten Lieder und Tänze. Sie können einerseits aus einer Elementarisierung von kulturell Vorgeformten entstehen oder andererseits aus künstlichen Konstruktionen (wie TaKeTiNa im Rhythmischen oder die Klangarchetypenlehre im Klanglichen).  Siehe unten!
5 Erprobung und Evaluation der Methode. Forschungsfragen (Unterrichtsforschung): Wie und was tragen die "Basiserfahrungen"? Wann funktioniert der "Schutz der Rolle" und was is dabei erfahr- und lernbar? Wie wird der Transfer vollzogen?

Vorliegende Beispiele für dies Konzept

Guajira Guantanamera Spielen der Radiosendung u.a. Aufsatz In: Musik in der Schule 2/2002, S. 11-18. Siehe Blatt 5
Tsen Brider
Szenische Interpretation eines Liedes, ausführliche theoretische Begründung
"Holocaust-Pädagogik + Interkulturelle Musikerziehung + Klezmermusik". Oldenburger VorDrucke 474. diz-Verlag Uni Oldenburg 2003. 50 Seiten. CD-ROM extra erhältlich
Jüdische Hochzeit
Szenisches Spiel einer Situation mit viel Musik
"Mazeltow!" Eine traditionelle jüdische Hochzeit in Osteuropa. Szenische Interpretation mit Klezmermusik. In: Musik und Unterricht 2/2002, S. 44-53 (mit CD).
"Ellas Danzan Solas" Frauen tanzen die Cueca vor Pinochets Regierungspalast, Sting hat das alles vertont.
siehe extra Aufsatz
Kinderlieder zum Regen
Szenische Interpretation und interkultureller Vergleich zum Thema Regen.
"Es regnet überall anders" - Szenische Interpretation von Liedern im interkulturellen Musikunterricht. In: Grundschule Musik 1/2001, S.22-30. (Mit CD.)

Basiserfahrungen

Es hat sich in der Praxis herausgestellt, dass die vielfältigen Materialien zum "Eingrooven" (zum Beispiel die "Ethno-Kanons" von Lorenz Maierhofer, Helblingverlag 2002) einen guten Zwischenschritt zwischen Basisierfahung und (beispielsweise) Liedeinstudierung oder Musikeinstudierung bilden. Daher kann folgender Dreischritt herzlichst empfohlen werden:

  1. Übungen zur Basiserfahung (Rhythmus, Atem-Stimme) = archetypisch
  2. Warm-Ups mit Mini-Material des anvisierten Musikstücks = kulturell geprägt
  3. Einstudierung einiger Kernelemente des Musikstücks mit Körperinstrumenten (percussiv und vokal) ohne Text- oder Notenvorlagen (also rein oral, auswendig, call+response) = individuell geprägt
  4. Realisierung des kompleten Musikstücks gegebenenfalls unter Zuhilfenahmen von Text und Noten