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  Interkulturelle Musikerziehung: Lateinamerika (2002)- Blatt 5

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Ziel der Stunde: Die explizite Durchführung des "erweiterten Schnittstellenansatzes" (vgl. dazu http://www.interkulturelle-musikerziehung.de/die_methode.html)- Thema der Stunde "Kulturerschließende Behandlung der Guantanamera"

1. Stundenverlauf - 2. Materialien zum szenischen Spiel - 3. Musikraxis Guantanamera - 4. Diskussion - 5. Transfer

 1. Stundenverlauf: 

Schritt 1: Basiserfahrung (Schnittstelle):

  • Guajira Grundrhythmus mit Körperinstrumenten (nur Basstrommel),
  • Sprechen im Call and Response des Refrain-Textes,
  • über dem Strophen-Groove kann improvisatorisch gesprochen werden (zum Beispiel wird eine kleine Story erzählt).

Was ist hierbei „Basis"? Keine Verkomplizierung durch spanischen Text (oder gar Textblätter) und durch Instrumente. Die Körperbewegung muss non-stop durchgehen und der Groove sowie der Refraintext fest drauf sitzen und der übrige (Strophen-) Text locker improvisiert drüber gesetzt werden können. Unabhängigkeit von drei Ebenen: Körper/Füsse „bewegen", Groove-Beitrag mit Händen und Text mit Stimme.

Schritt 2: Einfühlung in die Situation (Erfahrung von Differenz):

Kleingruppen 1-4. Jede Gruppe erhält zur Übehilfe einen Cassetten-Player mit einer Playbackcassette (Refrain gesungen, Strophen-Groove als Midifile). Tonbeispiel auf der Chile-CD! Aufabe ist, eine Radiodarbietung von Guantanamera vorzubereiten. Kleingruppe 5. Vorbereitung eines improvisierten Rollenspiels mit der Auseinandersetzung zwischen Fernandez und Seeger.  Das zugehörige Tonbeispiel ist ebenfalls auf der Chile-CD zu finden. Ein Playback als MIDIFILE zum eigenen Herstellen einer Cassette: entweder aus dem kompletten Arrangement oder aufgrund eines vor präparierten Midifiles.

(1) Die musikalische Basiserfahrung wird unmittelbar angewendet, da ohne sie die Radiovorführung nicht möglich ist. Zudem erweist sich diese Basiserfahrung als historisch authentisch. (2) Zusatzinformation über die Lebenssituation in Kuba und einfühlende Auseinandersetzung damit durch Erfinden einer Mini-Begegebenheit (was ebenfalls ein authentischer Vorgang ist). (3) Erarbeiten einer typischen Funktionsweise von Musik: lustvoll-sinnlicher Träger von „subversiven Botschaften".

Schritt 3: Vorführungen (Verarbeitung dieser Erfahrung):

Die Radio-Vorführungen sind weit mehr als ein didaktischer Gag. Es werden für die kubanische Musikkultur charakteristische Aufführungsformen konkret nachvollzogen. Der Effekt dieser Aufführung ist eine Mischung aus guter sozialer Beobachtungsgabe mit Engagement und gewissen musikalisch-interpretatorischen Fähigkeiten.

Das Fernandez-Seeger-Rollenspiel führt zu einer intensiven Auseinandersetzung mit einem Kernproblem der „Musik der Welt": die ökonomische Ausbeutung der Musiker durch die Musikindustrie, der sie oft bewußt und „im eigenen Interesse" folgen. Hier allerdings extrem verkompliziert durch die Tatsache, dass (1) Seeger durch seinen Erfolg auch Kuba nützen will und nützt und (2) Fernandez „eigentlich" gar nicht der Melodie-Inhaber ist. Typische „Globalisierungs-Fragen" werden durchgearbeitet und differenziert nach-gedacht.

Schritt 4: Auswertung (Aufbau multikultureller Handlungskompetenz):

Zusammenfassend werden diverse Informationen nachgetragen, für die jetzt fruchtbarer Boden besteht: Textinterpretation der Strophen von José Martí; Hinweise auf die weitere kulturelle Entwicklung Kubas; Hinweise auf die Herkunft der Guajira und Decíma. Professionelles Ansehen des Konzertmitschnitts mit Compay Segundo (1998 in Paris, Guajira Guantanamera als Zugabe mit improvisierten Textanteilen usf.). Ausblick auf „Buena Vista Social Club".

Hier findet auch der Transfer auf die aktuelle Musikszene der BRD statt - allerdings für Jüngere relativ wenig „erfahrungsbezogen" bei diesem (lateinamerikanischen) Thema. 

Für multikulturelle Handlungskompetenz sind auch Sachkenntniss erforderlich ebenso wie die gemeinsame Aufarbeitung von Erfahrungen.

2. Materialien zum Szenischen Spiel

Gruppen 1-4

Die Guajira Guantanamera im Radio Havanna

Joseíto Fernandez erinnert sich:

"... 1932, als ich im Radio (CMQ: Havanna) arbeitete. Damals hatten die Orchester, die im Radio spielten, die Gewohnheit, ihr Programm mit einer Rumba zu beenden. Alejandro Rivieiro, ein Rechtsanwalt, sagte damals zu mir: Hör zu, wir wollen etwas Neues versuchen, wir beginnen mit einer klassischen Melodie und enden mit deiner, die überall so großen Erfolg hat. Für den Anfang wählten wir also die Rumba "La bella Cubana", zum Schluss die Guajira Guantanamera. Immer mit verschiedenen Texten... Meine Décimas enthalten nichts Erfundenes, Ausgedachtes. Darum sage ich auch immer, daß die Guajira Guantanamera von Anfang an ein Protestlied gewesen ist. Sie war eigentlich immer Ausdruck von etwas Schmerzlichem. Ich habe stets Mißstände, Ungerechtigkeiten, die Ausbeutung, Armut, Bösartigkeit, den schlechten Charakter bekämpft. Ich bin mit offenen Augen durchs Leben gegangen..." (aus einem Interview mit Hermann Herlinghaus im Februar 1976).

Ab 1939 heißt Fernandez’ Sendung "El suceso del día" (Das Ereignis des Tages).

Info: Bekanntermaßen entsprach das Kuba der fünfziger Jahre geradezu dem Idealtyp eines unterentwickelten, abhängigen Kapitalismus. Seine Wirtschaftsstruktur war fast vollständig an die Bedürfnisse des großen Bruders USA angepaßt. Es versorgte die Vereinigten Staaten mit billigen Rohstoffen und importierte von dort mehr als die Hälfte seiner Fertigprodukte und Lebensmittel. Auch die strategischen Wirtschaftszweige der Karibikinsel waren großteils in der Hand von nordamerikanischen Firmen: "Die US-Unternehmen in Kuba besaßen 90% der Telefon- und Elektrizitätswerke, zwei der drei Erdölraffinerien (66%), große Teile des Bergbaus, davon die dominierende Nickelproduktion und 50% der öffentlichen Eisenbahnen; sie produzierten knapp 40% der gesamten Rohrzuckerproduktion und besaßen 40 von 161 Zuckermühlen, 7 der größten Landwirtschaftsbetriebe, 30% der Handelsbanken, 20% der Versicherungen und kontrollierten große Teile des Tourismus.." Nicht zuletzt aufgrund des starken US-Engagements gehörte die Insel zu den wirtschaftlich am weitesten entwickelten Ländern Lateinamerikas -und war gleichzeitig hochgradig politisch und sozial polarisiert. Auf der einen Seite der vorrevolutionären Gesellschaft Kubas befand sich eine nicht national ausgerichtete Bourgeoisie mit einem mangelnden Interesse an einer eigenständigen Entwicklung. Diese stützte zuletzt mit Fulgencio Batista eine äußerst repressive und korrupte Diktatur. Dem gegenüber standen ein breit gefächertes Kleinbürgertum - dessen Entwicklungschancen von der Diktatur zunichte gemacht wurden, eine kaum ausgebildete, aber gut organisierte Arbeiterklasse und ein hoher Anteil landloser Bauern. Alle zusammen hatten mit Massenarbeitslosigkeit und sozialem Ausschluß zu kämpfen. Diese Verhältnisse wurden bekanntermaßen 1959 von der kubanischen Revolution hinweggefegt. (Aus: Hans-Jürgen Burchardt, Kuba. Im Herbst des Patriarchen. Stuttgart 1999.)

 

Erfindet ein "Tagesereignis" aus den 30er Jahren Kubas und sprecht/singt es zur Begleitung der Guajira Guantanamera (Playback auf Cassette) im Sinne eines Radio-Spots. Ihr müßt aber keine Décima (10 Zeilen zu je 8 Silben) dichten oder improvisieren, wie es Joseíto Fernandez getan hat!

Beispiel-Ereignis 1:

Wir hören, dass gestern Abend eine Frau mit einem Kind von einem Zug, der von der Zuckerrohrplantage Bill Morton zur Fabrik fuhr, erfasst worden ist. Der voll beladene Zug hielt nicht an. Passanten fanden Frau und Kind verblutet am Bahnübergang liegen, der keine Schranken oder Warnsignale hatte.

Beispiel-Ereignis 2:

An der Kathedrale von San Miguel sah ich eine Familie sitzen, die bettelte. Es kamen zwei Soldaten vorbei und stießen mit ihren Gewehren den kleinen Korb um, in dem das Geld gesammelt wurde. Sie lachten, als die Kinder wild schreiend hinter den Münzen herrannten, um sie wieder aufzusammeln.

Weitere Ereignisse: Selbst erfinden.


Gruppe 5

Der Konflikt um die Rechte an Guajira Guantanamera

Rollenkarten

Du bist Joseíto Fernandez, 1908 in Havanna geboren, Berufsmusker, Sänger und Entertainer. Du warst zwar nie im östlichen Teil Kubas, in der Provinz Guantánamo, kennst aber seit Deiner Jugend die Melodie von Guajira Guantanamera. Du hast die Melodie 1927 für "Victor" gesungen und sie ist dadurch in Kuba bekannt geworden. Mit gutem Recht bezeichnest Du Dich als den eigentlichen Komponisten der "Guajira Guantanamera". In den 30er Jahren hast Du auf die Guajira Guantanamera stets Décimas zu Tagesereignissen improvisiert, wie es damals so üblich war. Deshalb hast Du die Guajira Guantanamera auch immer als etwas Politisches betrachtet. Nun hast Du gehört, dass der Yankee Pete Seeger die Guajira Guantanamera mit dem Text von José Martí in Nerw York gesungen, auf Platte aufgenommen und sich selbst als Komponist bezeichnet hat. Das hat wohl zur Folge, dass er nun alle Tantiemen, die es für dies Lied gibt, einkassiert. Da singt man also den ganzen Tag gegen den Yankee-Imperialismus und wird auch noch selbst ausgebeutet!

Du bis Pete Seeger, 1919 in New York geboren, Liedermacher von Beruf. Du hast mit 16 Jahren das Folk Festival in Asheville besucht und warst vom Klang des Banjo fasziniert. Später bist Du mit Woody Guthrie singend durchs Land gezogen und hast Arbeiterlieder gesammelt und gesungen. Mit den von Dir gegründeten Almanac Singers bist Du bekannt geworden, kamst aber auf MacCarthy’s Schwarze Listen, hörtest aber nicht auf, Folk und Politik miteinander zu verbinden. Die Revolution 1959 in Kuba war ein großes Ereignis für Dich. Du wolltest sie nach Gebühren besingen! Vor ein paar Jahren kam Hector Angúlo nach einem Konzert zu Dir, Joan Baez kann das bezeugen, und sang Dir ein in Kuba bekanntes Lied vor, das Du in Deinem eigenen Stil bearbeitet und gleich in Dein Repertoire aufgenommen hast. Es sollte Deine Solidarität mit der Kubanischen Revolution ausdrücken. Deshalb bist Du überglücklich, dass das Lied inzwischen auf Deinen Platten rund um die Welt reist...

Du bist Maria Argelia Vizcaíno, hast in Havanna Musik studiert und interessierst Dich für die Musikgeschichte Deines Heimatlandes. Du hast durch Recherchieren in Liederbüchern und Berichten herausgefunden, dass die Melodie der heutigen "Guajira Guantanamera" bereits im 19. Jahrhundert in Kuba bekannt war. Du weißt, dass die internationale Solidarität mit Kuba für Euch überlebenswichtig ist und dass Pete Seeger viel hierfür getan hat. Gleichzeitig findest Du es ungerecht, wenn er die Tantiemen für das Lied einsteckt, die doch Kuba gut gebrauchen könnte. Doch andererseits kannst Du Joseíto Fernandez auch nicht Recht geben, wenn der die Rechte an der Melodie für sich in Anspruch nimmt!

Szenisches Spiel

  • Alle drei Personen stellen sich vor, indem sie ihre Rollenkarte in Ich-Form vorlesen oder aber eigene Worte verwenden.
  • Szene: Joseíto hat die Seeger-LP "We shall overcome" erhalten und hört die "Guantanamera". Er beschließt, Seeger in New York direkt telefonisch anzurufen.
  • Telefongespräch Joseíto-Pete.
  • Telefongespräche Pete-Maria und Joseíto-Maria.
  • Weitere Telefongespräche, bis der Fall abschließend geklärt ist.
  • Befragung der einzelnen Personen nach Beendigung des Gesprächs.

ZuschauerInnen können intervenieren: sie rufen laut STOP! und können sich einschalten, indem sie zu einer Person hingehen und Fragen stellen! (Keine Ratschläge erteilen!)


3. Musikpraxis: "Guajira Guantanamera"

Rhythmus-Begleitmodell siehe Blatt 4!

Ein standardisiertes zweitaktiges Begleitschema:
 
  guajira.jpg (14766 Byte)

Die drei Strophen von José Martí die Pete Seeger gesungen und bekannt gemacht hat:
 

Refrain

Guantanamera, guajira Guantanamera. 2X

1

Yo soy un hombre sincero,

de donde crece la palma, (2X),

y antes de morirme quiero,

echar mis versos del alma.

2

Mi verso es de un verde claro

y de un carmin encendido, (2X)

mi verso es un ciervo herido

que busca en el monte amparo.

3

Con los pobres de la tierra

quierro yo mi suerte echar, (2X)

el arroyo de la sierra

me complace más que el mar.


 
 

1

Ich bin ein ehrlicher Mensch,

komme von da, wo Palmen wachsen,

und ehe mich der Tod zum Schweigen bringt

möchte ich aus ganzer Seele meine Verse darbieten.

2

Mein Vers ist von hellem Grün

und von einem leuchtenden Rot,

Mein Vers ist ein verwundeter Hirsch,

der im Gebirge Schutz sucht.

3

Mit den Armen der Erde

will ich mein Los teilen,

und der Bach aus den Bergen

gefällt mir mehr als das Meer.


Beispiele weiterer Strophen:

"Ich stamme von überall/ und gehöre überall hin:/ Kunst bin ich unter den Künsten,/ Berg bin ich unter den Bergen". "In meiner stolzen Brust/ ist eine Pein, die mich tief verletzt:/ Ich bin Sohn eines Sklavenvolkes,/ der lebt, schweigt und stirbt". "Der Leopard hat eine Zuflucht/ in den trockenen, ockerfarbenen Bergen:/ Ich besitze mehr als der Leopard,/ ich nenne einen Freund mein eigen". "Es hat der Herr Präsident/ einen Garten mit einem Springbrunnen/ und einen Schatz aus Gold und Weizen,/ ich habe mehr, ich habe einen Freund". "Alles ist schön und beständig,/ alles ist Musik und Vernunft,/ und alles ist wie der Diamant,/ bevor er Licht wird, nur Kohle". "Mein Vers gefällt dem Tapferen:/ Mein Vers, kurz und aufrichtig,/ ist wie die Härte des Stahls,/ aus dem man schmiedet das Schwert".

Weitere Texte, die mir María Argelia Vizcaíno freundlicherweise zuschickte.

 
 
4. Diskussion: Fakten oder Legenden zur bekannten "Guajira Guantanamera" 

Maria Argelia Vizcaíno (1999) Herrmann Herlinghaus (1976) Pete Seeger
Melodie stammt aus dem 19. Jahrhundert und kennt keinen Komponisten. Melodie wird 1928 von Joseíto Fernandez (geb. 1908 in Havanna) komponiert. Pete Seeger (geb. 1919) bezeichnet sich (1963/67) als Autor der Melodie
Joseíto Fernandez benutzt seit 1927 diese bekannte Melodie und dichtet darauf Decímas.. Als Text verwendet Fernandez eine Dichtung des revolutionären Dichters José Martí (1853-1895). Er bringt bei Victor zwei Fassungen heraus. "... auf einen alten Text von José Martí von Hector Angúlo und Pete Seeger adaptiert" (1967).
Joseíto gestaltet mit der Punto Guajira-Technik ab 1932 den Schluss von Rundfunksendungen im Sender CMQ ("Politisierung der Guantanamera"). Er singt täglich im Decíma-Stil Geschichten von den "kleinen Leuten". Joseíto sagt 1976: Angúlo musste nach dem 26. Juli 1953 Kuba verlassen, wurde Hausmeister in einer US-Grundschule und brachte dem kleinen Peter Seegers die Melodie bei. (1953 war Pete Seeger 24 Jahre alt.) Durch Pete Seeger (erstes Konzert am 8.6.63 in Carnigie-Hall New York) wird das Lied weltbekannt und zum Symbol von Protest, Widerstand und Kuba-Solidarität. (Nur die 3 Martí-Strophen!)
Julián Orbón adapiert 1958 zur bekannten Melodie den Text von José Martí. - Hector Angulo, ein Schüler Orbóns, bringt 1963 Text und Melodie nach New York zu Pete Seeger.  Joseíto sagt 2/1976 in einem Interview, er habe sich mit Seeger gütlich wegen der Rechte geeinigt, sodass Kuba nun die Tantiemen erhält. Nach einem Rechtsstreit wird 1985 den Erben von Joseíto Fernandez von der SGAE (span. Urheberrechtsges.) das Recht an der Melodie zugesprochen.
Der Gittarist Leo Brower singt bereits 1961 die Guajira Guantanamera mit dem Text von Martí.    
Rosendo Rossel und andere kubanische Musikwissenschaftler entdecken weitere Versionen, insbesondere eine von Ramón Espígul.    

 

Guantánamo: östlichste Provinz Kubas, ganz besonders arm. Land sehr trocken. Das Berliner "Cuba-Si"-Projekt baut dort zur Zeit Bewässerungsanlagen und Wohnungen und richtet Schulen ein. - An der Küste befindet sich faktisch seit 1903 ein US-Navy-Stützpunkt. Der Vertrag zur Nutzung wurde 1934 auf 99 Jahre geschlossen und von Fidel Castro nicht außer Kraft gesetzt. Von 1962 bis 1999 wurden 8262 Verletzung des Hoheitsgebiets Kubas und 5236 "Provocaciones" durch die US-Navy registriert.


Weitere Info's zu Guajira, Décima und Kuba in meinem Aufsatz

Was hat "Guantanamera" mit den Taliban und El Kaida zu tun?


5. Transfer: Checkliste "Interkulturelle Musikerziehung"

Irmgard Merkt:

"Ein Vorschlag für ein Konzept interkultureller Musikerziehung, das es freilich inhaltlich noch in vieler Hinsicht zu konkretisieren gilt, wird im folgenden in ein Sieben-Punkte-Programm gefaßt.

Bemerkung
1. Keine Pädagogik ohne Wissenschaft: Voraussetzung für interkulturelle Musikerziehung ist eine wissenschaftlich qualifizierte Auseinandersetzung mit den Musikkulturen der Welt, mit ihrem musikalischen Material, d. h. mit ihrer Ordnung der Tonhöhen und Tondauern, mit ihrem Gebrauch von Klangfarbe und Lautstärke, mit ihren Vorstellungen von und Gedanken über Musik, mit ihrem Musikleben.  
2. Der Blick auf die andere Kultur ist gleichzeitig der Blick auf die eigene. Die Suche nach musikalischen "Schnittstellen ", nach tatsächlichen Gemeinsamkeiten ist der naheliegende Schritt. Tatsächliche Gemeinsamkeiten sind beispielsweise: Gebrauch eines Tonsystems, einer Liedform, einer Taktart, eines Rhythmus in unterschiedlichen Musikkulturen. Schnittstelle ist musikalisches Material, das von deutschen und ausländischen Kindern und Jugendlichen so musiziert werden kann, daß die jeweiligen spezifischen Merkmale der Musikkultur erhalten und respektiert bleiben. Ausgehend von Gemeinsamkeiten werden später die Unterschiede der Musikkulturen deutlich herausgearbeitet.  
3 . Interkulturelle -Musikerziehung beginnt mit Musikmachen, nicht mit Musikhören.  
4. Das gemeinsame Musikmachen mit Kindern aus verschiedenen Ländern geht über in die Reflexion, geht über in den interkulturellen Vergleich. Vergleichsthemen sind zunächst Musikinstrumente und Lieder.  
5. Musikmachen und Singen ist Gesprächsanlaß. Thematisiert werden Liedinhalte, thematisiert wird Bedeutung und Gebrauch von Liedern und Musikinstrumenten, thematisiert wird das Musikleben im öffentlichen und privaten Bereich, thematisiert werden Märchen und Mythen, die von Musik erzählen.  
6. Der musikpraktischen Annäherung an unterschiedliche Musikkulturen folgt die Annäherung durch das Hören. Der Weg geht hier vom Bekannteren zum Unbekannteren.  
7. Interkulturelle Musikerziehung präsentiert die Ergebnisse der Arbeit im Klassenzimmer im Rahmen von schulischer und nach Möglichkeit außerschulischer Öffentlichkeit.  
Wie ließe sich das "Richtziel" der interkulturellen Musikerziehung formulieren? Ein Vorschlag: Die Menschen sollen sich als Produzenten ihrer Kultur erleben - und dies im Vollbesitz des Wissens um die kulturellen Quellen und Traditionen, die sie speisen."