Wer den tranceinduzierenden und "schwirrenden" Gesamtklang eines Gamelanorchesters hört, hat den Eindruck, dass diese Wirkung von der Klangfarbe der Instrumente herrührt. Diese Klangfarbe jedoch ist untrennbar mit der (Tonhöhen-)Stimmung der Instrumente verbunden. Es ist bislang nicht möglich (und vielleicht auch nicht nötig) gewesen, genauer zu untersuchen, welchen Beitrag zu solcherart Wirkung die Klangfarbe und die Stimmung leistet. Versuche mit dem Abspielen von Gamelanstücken auf zwölftönig-temperierten und "richtig" gestimmten Synthesizern an der Universität Oldenburg haben allerdings gezeigt, dass sich die Wirkung der Musik qualitativ verändert, wenn zwischen den beiden Stimmungsarten bei ansonsten gleichbleibenden Klangfarben gewechselt wird, ohne dass die Hörenden sagen oder feststellen können, was da nun eigentlich passiert sei.

Ulrich Götte (Komponist, Dirigent)

"Mira" ist ein Versuch, den letztgenannten Fragestellungen außerhalb einer Laborsituation, d.h. "im wirklichen Leben", nachzugehen. Die Ergebnisse, gemessen in allgemeiner Resonanz bei den Mitwirkenden und beim Publikum  sind einerseits ungenauer als die Ergebnisse der Laborversuche, andererseits aber realistischer. Sie stellen einen Typ interkultureller Musik dar, der auf dem Hintergrund aktueller Weltmusik-Konzeptionen überprüft wird. Es kommt freilich nicht von ungefähr, dass Ulrich Götte als einer der profiliertesten minimal music-Komponisten in Deutschland, sich stilistisch an Musik anlehnt, die einen traditionellen interkulturellen Bezug zur Gamelanmusik hat.

Ulricht Götte (hier bei den Proben) ist seit 2016 Leiter des Zentrums für Inter-kulturelle Musik in Kassel.

gamelan-index ziel messungen midi mira

Wolfgang Martin Stroh . Saarstr. 22 . D-26121 Oldenburg - Tel. 0441-83645 . E-Mail: wolfgang.stroh@uni-oldenburg.de

Das Bremer Gamelan und seine Stimmung (Forschungsprojekt)

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