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Klezmermusik
Jiddische Folklore und Weltmusik
Vermittlungsfragen

Wir betreiben keine philologische oder religionswissenschaftliche Klezmer-Forschung. Wir erforschen auch nicht "Jüdische Musik(kultur)" an und für sich. Wir kommen eher aus der Ecke der Politischen Bildung mittels Musik in der Bundesrepublik Deutschland. Wir fragen einerseits, wie sich Klezmermusik heute in der BRD vermitteln lässt (gehen also von einem gewissen Verständnis von Klezmermusik aus - siehe unten!). Wir fragen andererseits, was es mittels Klezmermusik in der BRD eigentlich zu vermitteln gibt (gehen also von gewissen Desideraten politischer Bildung aus und befragen daraufhin Klezmermusik)... Komisch? Ungewöhnlich? oder logo?

Unser Projekt betrachtet Klezmer aus zwei (methodischen) Blickwinkeln:  

Einerseits dem der "Folklore", worunter wir zunächst die Szene der "Jiddischen Lieder" verstehen aber auch alle Klezmorim, die sich um "authentische jiddische Musik" bemühen, die sammeln, ethnologisch denken und handeln und dabei immer wissen, was richtig und was falsch ist...  
Andererseits dem der "Weltmusik", der Fusionen, der Hybriden, der Pietätlosen, die alles mit allem nach Lust und Laune mischen und für die einfach nur Spaß und Erfolg gilt. 

Unser Projekt ist geleitet von der These, dass keine der beiden Betrachtungsweisen allein genügt und dem aktuellen Phänomen "Klezmer" gerecht wird. Die Authentiker vergessen, dass Klezmermusiker selbst extrem pietätlos mit musikalischem Material, das sie vorgefunden haben, umgegangen sind - beispielsweise der verehrte Dave Tarras in seinen Jazz-Swing-Arrangements... Die Weltmusiker indessen können zu autistischen oder egozentrischen Musikern werden, für die der Markt und die Show alles ist... 

Mein Herz schlägt übrigens auf Seiten der Weltmusiker. Ich bin der Meinung, dass die "authentische" und traditionell musikethnologische Herangehensweise blutleer und akademisch ist. Ich vertrete eine Aneignungstheorie musikalischer Tätigkeit, wonach sich alle Musiker und Nicht-Musiker mit musikalischen Mitteln stets neu die Realität aneignen (näher hierzu!). Und diese Realität ist heute musikalisch gesehen nicht die eines osteuropäischen Schtetl, sondern die der global vernetzten und kommerzialisierten musikalischen Kommunikation, in deren Nischen tausend individuelle kreative Menschen arbeiten...... auch Klezmorim. 

Bei der Erprobung verschiedener Unterrichtsmaterialien in den Klassen 5 bis 13 aller Schularten (Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium) ergab sich eine weitere These: Die "rein musikalische", praktische und theoretisch-analytische, sozialgeschichtliche und - vor allem - "einfühlende" Auseinandersetzung mit Klezmermusik an deutschen Schulen ist eine "nicht ritualisierte" und für die LehrerInnen sehr befreiende Art deutscher "Erinnerungsarbeit" (ehemals "Vergangenheitsbewältigung"). Wir entdeckten, dass eine Unterrichtseinheit zu Klezmermusik ohne besonderes Hinzutun, ohne Moralin oder Zeigefinger, eine recht effektive Begegnung deutscher Kinder und Jugendlicher mit "wirklichen Juden" sein kann.

Wolfgang Martin Stroh

 

Inhalt:

Unterrichtsmaterialien

Seminar (Ablauf)

Forschungsaktivitäten

Politische Bildung  

Lehrerfortbildung

Archiv

 

Archivpflege (bis 2001): 
 Forschungsaktivitäten (seit 1999):

Dies ist der aktuelle Arbeitsschwerpunkt. Da im Jahr 2001/2002 mehrere Unterrichtsmaterialien zu "Jüdischen Musiktraditionen" auf den Markt gekommen sind, die didaktisch problematisch sind, da sich im Jahr 2002 der israelisch-palästinensische Konflikt zugespitzt hat und sich erneut die Frage nach einer Erziehung jenseits der "Holocaust-Pädagogik" stellt, erscheint uns die allgemeinere Frage der politischen Bildung im Musikunterricht als dringlich.  Publikationen:2003 - Holocaust-Pädagogik + Interkulturelle Musikerziehung + Klezmermusik. Oldenburger VorDrucke 474. diz-Verlag Uni Oldenburg. 48 Seiten. Zugehörige CD-ROM persönlich einsehbar.2004 - Akademische Forschung und politische Praxis - Jiddische Lieder und Klesmermusik im (Musik-)Unterricht an deutschen Schulen. In: Klesmer, Klassik, jiddisches Lied. Jüdische Musikkultur in Osteuropa, hg. von Karl E. Grözinger. Seite 221-240. (= Vortrag in Potsdam auf der gleichnamigen Tagung im Oktober 2002.)