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Die Linke Blasmusikbewegung in der BRD 1973-2026

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Texte und Dokumente der Linken Blasmusikbewegung

Es gibt im wesentlichen drei Arten von Texten (oder Dokumenten): Erstens veröffentlichte Texte von Autor*inne der Kapellen (u.a. in den "Anschlägen" oder der "Linkskurve"), zweitens Texte auf LP-Booklets, die oft Beiträge von einzelnen Mitgliedern der jeweiligen Kapelle enthalten, drittens "interne Papiere", überwiegend Selbstdarstellungen der Kapellen (vor allem für die Bläsertreffen). Verzichtet wird auf die Wiedergabe von Rezensionen u.ä. in der Presse. Solche Lobhudeleien kann man auf den Hompages der Blaskapellen noch finden. Die vorliegende Sammlung ist ein Ausschnitt aus meinen 4 Leitzordner umfassenden Unterlagen aus den Jahren 1973 bis ca. 1987. Die im Jahr 2026 durchgeführten Interviews sind momentan noch nicht publizierbar. Hier ist die komplette Quellenliste (als docx). Die folgende Aufstellung ist, soweit möglich, chronologisch geordnet.

  • Peter Schleuning 1978: "Hoch die rote Blaskapelle?" (zur "Roten Note Freiburg") Auszüge aus "Anschläge 4" und "Anschläge 5".
  • Bei großen Studentenfesten bildete die Blaskapelle, die Internationale spielend... einen Höhepunkt. Oft fühlte ich mich, wenn ich bei einem solchen Fest hinter der Tuba saß mehr wie in der "Matthäser-Bierstadt" als auf einer politisch motivierten Veranstaltung. Die Diskussionen mit den Kapellenmitgliedern, die es verteidigten, wenn man "auch mal richtig fröhlich und ausgelassen" sei, waren fruchtlos.

  • Inessa Pelitschew 2023: Die alternative Blaskapelle "Rote Note" Artikel in einem Sammelband "Freiburg in den 70ern..."
  • Da die Rote Note meist keine eignenen Melodien und Texte hatte, stand die Ebene der Performance im Vordergrund.Für ihren Erfolg und Beliebtheitsgrad waren scheinbar nicht ihre musikalischen Fertigkeiten relevant, die laut eigenen Aussagen nicht besonders professionell waren, sondern die Praxis des Auf-der-Straße-Spielens.

  • Sogenanntes Linksradikales Blasorchester 1981: Über die Arbeit an neuen Ausdrucksformen in der Musik. Auszüge aus "Anschläge 7".
  • Warum spielen die Leute eigentlich im Blasorchester mit - aus politischem Interesse, aus Spielfreude und aus dem Wunsch nach mehr Salz in der Suppe des Alltags?... Damit bleibt etwas unter dem Tisch, was hinter diesen Gründen steckt. Es ist oft noch ein Unbekanntes, eine ungebundenen Sehnscht nach neuen, qualitativ anderen Erfaghrungen.

  • Wolfgang Hamm und Karin Pütt (ca. 1980): Rote Noten, linksradikale Töne und dicke Luft Artikel in der "Eisernen Lerche".
  • Wir sind ja im allgemeinen keine geschulten Musik-Interpreten, die fürs Museum der unvergänglichen Kunst arbeiten wollen. Wir müssen durch die Stücke hindurch, und die Stücke müssen durch uns hindurch: unsere Chance besteht darin, dass an ihnen etwas hängenbleibt, was mit uns, unseren Erfahrungen, Bedürfnissen, Widersprüchen zu tun hat. ... Auf den Zusammenang kommt es an und auf die Haltung, die dahinter steht. Nicht nur der Ton macht die Musik!

  • Wolfgang Hamm 1980: Was machen wir eigentlich? Wie kann es, soll es, könnte es weiter gehen? (Einige Überlegungen zur Diskussion in der "Dicken Luft") Kopie eines Papiers für ein nationales Bläsertreffen

    Was ist das Politische an unserer Musik? Die Fähigkeit zu lernen, sich musikalisch auszudrücken ohne Musik studiert zu haben, und dabei eigene Wege zu gehen, die weder der uns umgebenden Plastikkultur noch dem etablierten Musikleben entsprechen, ist ein politischer Vorgang, ein Stückchen politischer Kultur.

  • IG Blech 1984: Zwischenbericht über den Stand der Beziehungen zwischen Blasmusik, Polizei, Kultur und Linksradikalismus Bläsertreffenpapier

    Wir glauben nicht mehr so recht daran, dass Melodien, die einmal mit einem politischen Text assoziiert waren, heute eine politische Botschaft vermitteln. Wir glauben nicht mehr so recht daran, dass zum Beispiel Eislers "Gedanken über die rote Fahne" per se politische Musik ist. Politisch wichtig sind für uns gegenwärtig vor allem die Situationen, in denen wir spielen und - Zukunftsmusik! - die Situationen, die wir durch unser Spielen schaffen.

  • Ernst Becket, Axel Hennies & Hans Jünger 1984: Tuten und Blasen oder: Was ist politische Blasmusik? Artikel in der "Linkskurve".

    Die einen sehen in dieser Gruppe die Möglichkeit, mit ihrem Instrument Musik zu machen, die sich von der der Posaunenchöre, der Feuerwehrkapellen und der Big Bands unterscheidet. Eine Musik, bei der Phantasie, Spontaneität, Improvisation im Umgang mit Unzulänglichkeiten und Eigeninitiative wichtiger sind als technische Perfektion und die Unterordnung unter einen Dirigenten. Anderen kommt kommt es weniger auf die Art der Musik als auf ihre Funktion an; sie sehen in Tuten & Blasen eine Möglichkeit, ihre Fähigkeiten politisch einzusetzen.

  • Lauter Blech 1984: "Nur Schrott gespielt, aber affengeil!" Bläsertreffenpapier.

    Je dichter die Bullen an uns rankommen, desto einfacher werden die Sachen, die wir spielen. Schließlich ist es nur noch "WehrtEuch", mit vielen schrägen, aggressiven Tönen und Improvisationen dazwischen. Unsere Unsicherheit verwandelt sich in ein starkes Gefühlt von Aktivität und Freude darüber, dass wir die Situation so gut aushalten können. Werden dann von den Bullen vorsichtig weggetragen. Ein Bild geht durch die Presse!
    Bemerkung: "Wehrt Euch", der viel geschmähte Kanon, in einer Version der Londonoer Fall Out Marching Band: Hier anhören!

  • Gustav Giesinger: "Oh Schreck Blas nach!"" 1983 Internes Positionspapier von Gustav

    Wir haben unsere Gruppe nie hermetisch dicht gemacht sondern waren offen für Alle und alles, was von Aussen zu uns reingetragen wurde. Das brachte zwar viel Unstimmigkeiten... doch die Offenheit gegenüber Einflüssen von aussen sowie das Reinhören in die Gruppe, was will ich zund was macht der Einzelne, empfinde ich als einen wichtigen Teil unserer Selbstfindung.

  • Wolfgang Martin Stroh: Symptome des Oldenburg-Syndroms aus meiner Sicht 1984 Positionspapier

    Wir haben keine "Konzeption", aber doch eine klare Identität. Seit 6 Jahren spielen wir in etwa gleich schlecht. Zu jedem Anlass (bislang waren es 69) gibt es neue Musikstücke, die wir dann rasch reinziehen. Üben bringt wenig, weil die Stücke dadurch nur minimal besser werden. Dennoch sind alle überzeugt, dass wir besser spielen, wenn wir nur wollten. Dies liegt zum Teil daran, dass wir fast alle Musikstudent*innen sind, deren Hauptinstrument nicht im Syndrom gespielt wird. Dadurch ist der Kopf voller Ansprüche, die Finger und Lippen tun aber nicht immer so recht mit.

  • Schwarz - Rot Atemgold 09 Bläsertreffenpapier.

    Was die Kohle angeht, ist die Diskussion noch in vollem Gange. Einigung wurde in folgenden Punkten erzielt: unter 400 DM wird generell nicht gespielt, Ausnahmen Demos und Soliodaritätskonzerte (dort nur umsonst, wenn die anderen Gruppen auch nichts kriegen). Über die Frage, wieviel unsere Musik wert ist, und wie gut wir spielen müssen, streiten sich die Geister heute noch.

  • Atemgold 09: "Wieso ist es so und nicht anders?" 1986 Rundbrief nach Pfingsttreffen

    Der in der Regel negative politische Anlass (wan gibt es schon Siegesfeiern) drängt anscheinend negative Musik auf. Dabei wird übersehen, dass die politisch negativsten Anlässe sich zu treffen, Widerstad zu leisten, wo die Niederlage schon vorprogrammiert ist, zugleich auch kollektive Gegenrituale darstellen. Wir sind auch noch da! Schon allein deshalb brauchen wir gerade dort Positive Musik! Musik, die uns stark macht, mit der sich mensch indentifizieren kann und wobei mensch sich wohl fühlt... ja, da könnte es lang gehen: nicht bei Disco-Musik unbedingt, sondern vielmehr bei dem, was sie auslöst.

  • Trotzblech. Original Egerländer Musikanten 1984 Bläsertreffenpapier

    Wir spielten ein Friedenslied, Biermanns "Soldat" und das Volkstrauersyndrom auf dem Bergfriedhof am Volkstrauertag 1983. Die direkte Reaktion war eine schroffe Ablehnung, die indirekte eine ausgeprägte Leserbriefflut. Für uns war die Schwierigkeit die Einschätzungund das adäquate Umgehen mit dem politischen Gegner bzw. der Polizei. Eine bessere Vorbereitung u.a. in Bezug auf rechtliche Konsequenzen hätte uns mehr Sicherheit gegeben.

  • Basler Sicherheitsorchester: Mit dem Sicherheitsorchester unsicheren Zeiten entgegen 1984 Bläsertreffenpapier.

    Welche Band kann denn schon von sich behaupten, beim ersten Auftritt gleich noch Radio- und Fernsehpremiere gehabt zu haben? Auch 30 Nationalräte sind nicht ungestraft vorbeigekommen: auf dem Gelände des geplanten AKW Kaiseraugst zwangen wir die Herrn, die das Gelände abschreiten wollten, zum gründlichen Hinhören. Nicht dass ihnen Hören und Sehen vergingen, haben wir bezweckt - sondern das Gegenteil: dass die Leute endlich mal wirklich hinsehen und hinhören.