Wms.jpg (2163 Byte)

 

  Home   iii-twiskenstudio   Kursmaterialien   Forschungsprojekte   Publikationen   Interkulturelle ME

 

 

logo

 

 

... in den Musiken der Welt
Geschichte, Techniken, Ästhetik

3.05.481 Seminar im Sommersemester 2021

Module:
mus 736 Systematische Musikwissenschaft und Musiken der Welt (Master of Education, Gymnasium)
mus 910 Musikwissenschaftliche Methoden (Master Musikwissenschaft)
mus 960 Musiken der Welt/Interkulturalität (Master Musikwissenschaft)
ipb 979 Interdisziplinärer Modul „Musiken der Welt/Interkulturalität“

Leitmotiv

Gibt es heute einen "Imperialismus der zwölften Wurzel aus Zwei", der der UNESCO-Konvention "Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage" zuwider läuft?

Kursprogramm

Die Musiken der Welt werden unter dem Aspekt der Stimmung von Musikinstrumenten sowie der in der Musik verwendeten Tonsysteme  betrachtet.

Diese Betrachtungsweise ist einerseits problematisch, weil die Gefahr besteht, dass "eurozentrische" Maßstäbe an die Musiken der Welt angelegt werden. Dieser Gefahr sind wir uns bewusst und werden ihr offensiv begegnen.

Andererseits ist angesichts der global agierenden Elektroindustrie und der Digitalisierung das zwölftönig-temperierte System zum Maß aller Dinge geworden. (Jedes Smartphone enthält eine Soundcard im zwölftönig-temperierten System und spielt Klingeltöne etc. auf diese Weise ab.) Das heißt, dass viele Feinheiten der Musiken der Welt im Beriff sind nivelliert zu werden - nicht nur durch bösartige Kulturimperialisten sondern auch durch fortschrittliche Kunstmusiker/innen der betroffenen Kulturregionen selbst, die global agieren wollen.

Themenbereiche

Folgende Themen und Musiken sind im Rahmen dieser Diskussion relevant:

- die Obertonreihe, Zahlensymbolik und Harmonik, (weltweite) Obertonmusik;
- die Entwicklung der abendländische Musik von der antiken Sphärenharmonie über die mittelalterlichen Modi, Bachs Wohltemperiertes Klavier hin zur atonalen Zwölftonmusik;
- die arabische, persische und türkische Musik mit ihren „maqams“ und Improvisationstechniken;
- die grundtonorientierte, philosophisch verankerte indische Kunstmusik;
- die von der Quintenarithmetik ausgehende ostasiatische Musik (Thailand, Vietnam, Japan, China);
- die am tonal schwer fassbaren Gong-Klang orientierte indonesische Musik (Gamelan, Angklung);
- die äquidistant gestimmten Xylophone und Lamellophone Ostafrikas;
- die Panflöten der Andenländer (von den Inkas bis heute);
- die Mikrotonalität in der (globalen) avantgardistischen Kunstmusik des 20. und 21. Jahrhunderts.

Methoden

Im Kurs sollen Musikinstrumente „vermessen“ und Tonsysteme aus Tonträgern bestimmt werden. Dazu wird im Kurs ein gewisses KnowHow an akustischem und Computer-Wissen vermittelt. Die thematisierten Instrumente werden jeweils vor dem Hintergrund der Kultur, der sie entstammen bzw. die sie repräsentieren, betrachtet. Einschlägige publizierte Forschungsansätze und -ergebnissen, aber auch Selbstdarstellungen aus den Musikkulturen der Welt sollen (ideologie-)kritisch untersucht werden. Anhand von neueren Kompositionen, bei denen Tonsysteme gemischt oder in unterschiedlichen Stimmungen gleichzeitig musiziert wird, soll die Frage, inwieweit die (Arten-)Vielfalt der Stimmungen der Welt erhalten werden soll, erörtert werden.